Konvergenz!

Der Flug von Omalo nach Shatili – ein Traum der in Erfüllung gehen sollte, trotz heftigster Bedingungen. Die extremen Windverhältnisse dieses Tages ließen leider keine größere Distanz zustande kommen, der Südwest hat uns eher Richtung Nordwesten an die russische Grenze abgedrängt, und somit alle Vorhaben, auf direkter Linie Richtung Westen und Stepanzminda zu fliegen, vereitelt.

Auch für heute ist deutlicher Südwest angekündigt, es direkt von Shatili Richtung Kasbek zu versuchen wäre nahezu aussichtslos. Kurzerhand ist ein Fahrer organisiert und wir legen die nächsten 16 km, bis zum Pass Richtung Roshka, allrad-getrieben zurück. Der von hier abzweigende Grat Richtung Norden soll uns direkt auf eine ost-west-verlaufende Kette führen und verspricht somit einen perfekten Ausgangspunkt, um den Flug Richtung Stepanzminda trotz Gegenwind zurücklegen zu können …

Ankunft am Pass

Aufstieg entlang des Grats: ein genussvoller Spaziergang

Startvorbereitungen: Kräftiger Südwest verspricht konstantes Soaring

Das Stahlbau macht es deutlich: Jegliche Thermik ist verblasen!

Nach der Ankunft am Startplatz herrscht Unsicherheit: um uns herum der Himmel Blitz blank, zwei Ketten nördlich das Cumulus-Gewölk. Haben wir eine Chance Richtung georgischer Heerstraße? Selbst wenn wir hier wegkommen sollten: Nach Roshka würde nochmals ein massiver Pass (3000 m) Richtung Westen auf uns warten …

Ich verliere die Geduld und starte in der Überzeugung, dass die einzige Möglichkeit weiterzukommen darin bestünde, zur nächstgelegenen Südflanke zu soaren, ein paar Meter Höhe zu machen, um anschließend direkt zur Talquerung an die nördlichere, höher gelegene Kette zu queren. Gesagt, getan. Robert und Werner folgen wenig später, gemeinsam parken wir im dynamischen Aufwind über der Südflanke und warten auf Ablösungen. Diese sollen jedoch ausbleiben … Knapp 100 m über Grat drehe ich irgendwann direkt nach Norden ab, setze zur Talquerung an und …

… finde tatsächlich eine Linie die trägt, ohne allzusehr durchs Lee gebeutelt zu werden.

Mit ausreichender Höhe erreiche ich die Kette, doch auch hier scheint die Thermik auszusetzen: Es steht spitz auf Knopf. Kommt man nochmals tiefer würde man in immer stabilere Luftschichten eintauchen – ich kämpfe um jeden Meter! Ein zähes Thermik-Soaring-Gemisch lässt die Höhe halten, aus dem anfänglichen Nullschieber entwickelt sich ein sanfter Bart.

Robert und Werner gelingt es ebenso, wir rotten uns erneut zusammen und sollen von nun an in perfekter Linie Gen Westen ziehen. Meter um Meter nähern wir uns dem Pass, die Basis nur knapp über Grat. Viel Spielraum würde nicht vorhanden sein, jedoch schiebt der Talwind tüchtig an. Noch dreieinhalb Kreise und … Touchdown!

Es gelingt uns über den massiven Block zu wischen und plötzlich: heftige Turbulenzen – der Talwind blockert uns aus Stepanzminda entgegen. Robert quert auf die südliche Talseite und es soll unser Rettungsanker sein. An einer Nordflanke steigen wir wenige Meter über Talgrung in den dynamischen Aufwind ein, es gelingt einige hundert Meter zu machen und dann geschieht Gespenstisches: Über Talmitte geraten wir in konstanten, großflächigen Aufwind und es scheint, als könne dieser nie mehr versiegen … Konvergenz!!!

Die Wolkenmauer zeigt es deutlich: Zwei extreme Windsysteme prallen aufeinander!

Wie im Traum schiebt es uns im kräftigen Bart an der weißen Wand empor, bis wir weit jenseits der 4000 m angelangt sind …

Talausgang Stepanzminda

Den Bart verlassend ist er wieder spürbar vorhanden: kräftiger Südwest. Vollgas!

Durch heftige Lees lasse ich mich in das Haupttal Richtung Stepanzminda prügeln, habe Robert und Werner längstens verloren – der eine vor, der andere hinter mir. Mit knapp 7 m Sinken schüttelt es mich ums Eck, und ich tauche irgendwann ein in den kräftigen Talwind, immer der ausgeprägten Westflanke des Haupttals folgend. Die nächsten Kilometer hangel ich mich soarend vorwärts und erreiche irgendwann die breiteste Stelle im Tal. Zeit zur Landung – es soll sportlich werden.

Blick Richtung Stepanzminda,dort wo vor zweieinhalb Wochen alles begann

Deutlich vorhaltend plane ich den Landeanflug bereits rückwärts, die monströse Hochspannungsleitung stets im Auge behalten. Der Tacho geht gegen 0 km/h und dann …

Blick zurück: Abschied aus den georgischen „Dolomiten“

… ein sanftes Antippen am Boden, gefolgt vom blitzschnellem Abreißen des Schirms: Mit beiden Füßen stehe ich fest am Boden, das Ziel ist erreicht!

Tramp mit Werner nach Stepanzminda

Wenige Minuten später taucht Werner aus dem Nichts auf und wir wandern gemeinsam entlang der Straße gen Stepanzminda …

Es folgt ein freudiges Wiedersehen mit Robert – alle drei wähnen wir uns in dem Glauben, hiermit den zentralen, wichtigsten Teil unserer Reise hinter uns gelassen zu haben.

Wenig später kommt Freund Lasha aus Gudauri angefahren, uns aufzulesen. Gemeinsam fahren wir, ob der erneut miserablen Wetterprognose, nach Tiflis. Ein rauschendes Fest soll das bisher Vergangene würdigen …

Siehe Flug unter:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1039834

p.S.: Die Wetterprognose hat sich geändert und wir werden uns auf die Westseite Südossetien bewegen. Man darf also gespannt sein, was uns die nächsten drei Tage noch bringen werden …

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Wind!

Eine herrliche Nacht auf 3000 m, Biwakzauber! Feuer, Sterne, Einsamkeit – Zeit zu sich zu finden oder bei sich zu sein … wir haben den Modus gestreift der mir eigentlich im Sinn ist.

Der nächste Morgen empfängt uns vielversprechend …

Robert und ich machen uns auf zum Morgenspaziergang: Der gleichbleibenden Höhenlinie folgend, gehen wir einige Kilometer ostwärts, um im nächstgelegenen Bach die Wasservorräte aufzufüllen. Zurück am Lager gilt es keine Zeit zu verlieren, denn die Ostflanken cumulieren bereits kräftig, zahlreiche Adler und Geier machen klar, dass der Thermikofen bereits eingeheizt ist. Wenig später geht es dann dahin … Ein satter Startbart saugt uns direkt auf 3500.

Schon jetzt ist klar, dass heute deutlich Wind im Spiel ist – unterstützend aus Südost. An der Basis angekommen reiten wir den Grat, immer hart entlang der Grenzlinie zu Russland. Was anfangs noch unterstützend gewesen sein soll, wird zusehends sportlicher: der Höhenwind macht sich zusehends aus Südwest bemerkbar, gerade wenn man tief kommt, biegt es uns die Kisten ordentlich her. Als es gegen den Talschluss mit seinem markanten, 4492 m hohen Tebulosmta geht, steigt auch die Basis an. Deutlich sprengt es uns jetzt auf über 4000, plötzlich stehen 25-30 km/h Wind auf die Nase.

Unentschlossen stehen wir im Wind, guter Rat ist teuer. Den zu bewältigenden 3500 m hohen Pass fliegerisch zu nehmen – unmöglich. Letztlich ergreift Robert die Initiative, bohrt vollgas ins „laminare“ Lee und wir bomben am Talschluss auf ca.3100 m ein.

Kurze Verschnaufpause, ein Schluck Wasser – schon starten wir erneut, um in einem flotten Spurt die ausstehenden 400 hm auf den Grat zurückzulegen.

Blick zurück nach Osten

Westwärts, das was vor uns liegt

Oben angekommen zeigt sich das Gelände als relativ unstartbar – will man seinen Schirm nicht ruinieren …

Es gilt nun noch lediglich ein paar Meter abzusteigen, wir erreichen ein kleines Plateau und sind erneut „bodenlos“. Zwar schiebt der Südwest immer noch deutlich auf die erklommene Westflanke, allerdings sind – trotz der perfekten Uhrzeit (16.00) – jegliche Thermikansätze verblassen.

Kurzer Abstieg

Start-Platteau

Irgendwie gelingt es trotzdem. Wir mogeln uns durch trickreiche Bedingungen und können uns schließlich, mit Flotten 60 Sachen, das Tal nach Nordwesten rausschieben lassen. Am „Bermudadreieck, direkt vor der Russischen Grenze, wo unser Seitenarm ins Haupttal mündet, steht die Konvergenz. Es geht nochmals auf knapp 3000 und wir schneiden über den Grat ins Haupttal – uns zu Füßen die Mittelaltersiedlung Shatili: erneut eine turbulent trickreiche Landung im Talwind, inmitten des historischen Zentrums.

Die georgische „Borderpolice“ ist es , die mich wenige Minuten später nach dem Ausweis kontrolliert – man möchte auf Nummer Sicher gehen, was oder wen man sich da eingefangen hat. Die Besitzerin des ortsansässigen Guesthouse übersetzt, beruhigt uns und wenig später sind wir auch noch in den Historischen Gemäuern der Burganlage einquartiert.

Unterkunft in historischen Gemäuern

Ein reichhaltiges Abendessen, samt Rotwein und Chacha, lassen uns die überwältigenden Erlebnisse verarbeiten und selig ins Reich der Träume entschlummern …

Flüge:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1039793

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1039807

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Biwak 3000

Der Morgen in Omalo empfängt uns regnerisch und wir verweilen noch geraume Zeit. Ein Spaziergang in den oberen Ortsteil, nahe der Burgruine, vertreibt die Zeit und ein Kaffee in der ortsansässigen Bäckerei stärkt das Gemüt.

Man spricht Deutsch: Ia hat sich, nach dem Germanistikstudium in Tiflis, diese Backstube eingerichtet und möchte damit die Struktur in der Region stärken. Nach diesem überaus netten Kaffee-Plausch machen wir uns auf, den nördlich von Omalo gelegenen Grat zu besteigen.

Auf 2600 m angekommen blockert der Talwind aus Süd-Ost und wir starten. Was genau der Plan sein wird ist unklar, denn die Vorstellungen gehen auseinander. Quert man direkt an den nördlichen Hauptkamm mit seinen 4000ern und somit auch an die russische Grenze, oder bleiben wir auf der südlich gelegenen Kette? Zunächst: Toplandung und Lagebesprechung.

Die Querung nach Norden ist dann doch beschlossene Sache, wir starten durch, pfeifen durch ein sattes Lee und erreichen schließlich die andere Talseite, den Hauptkamm, der mit „den richtig hohen Bergen“ lockt.

Oberhalb eines Plateaus gelingt es uns nochmals aufzusoaren, wir landen auf ca. 2900m ein und genießen das Sein.

Freudig begrüßt uns Schäfer Aram, er kann es kaum fassen, fühlt das Gleitschirmtuch und zeigt sich fasziniert.

An Ort und Stelle schlagen wir unser Biwak auf, Robert zaubert aus dem Nirgendwo ein paar Holzscheite, wir jausen und hängen im Schein des Lagerfeuers den Gedanken nach: eine perfekte Ausgangsbasis, hohe Südostflanken sowie gute Wetterprognose. Wird es morgen DER Tag?

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Ratlos

Wir schreiben Dienstag, den 14.08.2017:

Gestern gingen sich, trotz schwierigster Umstände, gute 70 km aus und wir konnten Pshaveli erreichen, der Ort an dem sich das Tal gen Norden und Abanopass zieht, welcher mit knapp 3000 hm herausfordert. Dahinter im Norden, jenseits des Tracker-Orts Omalo, würden die 4000er auf uns warten …

Pshaveli soll für uns zum Ort der Entscheidung werden. Nach einer Zeltnacht im Garten des ortsansässigen Jeep-Tours-Unternehmen, herrscht auch am nächsten Morgen noch absolute Konfusion. Der Tag heute lässt wahrscheinlich weniger als gestern erwarten – bei diesen Bedingungen in die hohen Berge reinzufliegen wäre unsinnig -, der Mittwoch nochmals weniger, sogar etwas regnerisch. Donnerstag und Freitag hingegen scheinen verheißungsvoll …

Was bleibt zu tun?

Die Kette der Bergausläufer, auf der wir die letzen 150 km unterwegs gewesen sind, verliert sich spätestens hier, gen Westen gesehen, im Nirvana: Flache Hügel und undurchdringlicher Wald. Als uns morgens um sechs der Fahrer des Allrad-Shuttles aufnehmen will, sind wir uns absolut uneinig, checken alle Wetterberichte. Robert und ich sind drauf und dran, die absolute Planänderung einzuläuten: 50 km südlich erstreckt sich eine weitere Kette, die in direkter Linie nach Tiflis führt.

Das würde bedeuten, die komplette Geschichte nordöstlich von Tiflis, einschließlich der Gegend um den Kasbek (5033m), bleiben zu lassen. Ich werfe noch kurz ein, dann doch gleich weiter nach Svanetien, in den Westen Georgiens zu reisen. Werners Kommentar: „OK, jetzt wird’s konfus!“ Eine eindeutige Entscheidung zu treffen – sie ist uns auf Grund der Wetterlage sowie der Geländestruktur enorm schwer gemacht.

Pickup-Ladeflächen: Mittlerweile ein probates Vortbewegungsmittel

Wir entscheiden uns für das Naheliegenste, lassen uns ein paar Meter das Tal reinfahren und versuchen die nächste Kette zu erklimmen. Schon nach wenigen Metern ist klar: Dieser Weg führt nach Nirgendwo, sich verzweigende Bäche und Dschungel!

Wir kehren um, laufen zurück zur Straße. Dann doch die Entscheidung: Trampen bis zum Abanopass. Leichter gesagt als getan, der Verkehr ist spärlich, die grobe Piste zumeist nur von Turi-Jeep-Unternehmen befahren. Mahad ist es zu verdanken, dass wir dann doch ein paar Kilometer weiter kommen. Auf der Ladefläche des Pickups fahren wir mit ihm und seinen Arbeitern zur Baustelle, tief im Tal.

Frühstück am Bau!

Man versorgt uns herzlich mit Butterbroten und Instantkaffee, lässt uns am gemeinschaftlichen Frühstück teilhaben und nötigt uns zum scheinbar obligatorischen Chacha. Wer das Schnapsritual auslässt, wird in diesem Land Schwierigkeiten haben: Gemeinschaftliches trinken öffnet Tür und Tor!

Wenig später ist es dann ausgemacht: Einer der Bauarbeiter fährt und auf den Abanopass: Eine spektakuläre Piste lässt uns beinahe 1800 hm überwinden, stets am Rande des Abgrunds. Auf nahezu 2500 m schneiden wir durch die Wolken und lassen uns überwältigen, von der grandiosen Morgenstimmung …

Abanopass Richtung süden

Am Abanopass muss es schnell gehen – von Süden türmt sich bereits die Weiße Wand. Wir erklimmen noch 150 hm zu Fuß, starten sobald die Sicht frei ist und queren schleunigst das Tal Richtung Nord-Westen, auf die Kette Richtung Omalo.

Direkt nach der Querung heißt es einladen, Robert wartet bereits. Erneuter Start, mühsames Soaring – Werner und Robert erwische es besser und queren hoch zur nächsten Querrippe gen Norden. Ich lande ein, bin ratlos und fliege schließlich tief, ebenfalls zur nächsten Rippe …

Werner und Robert soll ich erst am Abend Wiedersehen. Den Kompletten Nachmittag verbringe ich mit weiteren Hanglandungen, kombiniert mit kraftraubenden Anstiegen, entlang steil aufregender Grate. Es gilt hoch zu bleiben, das langgezogene Tal Richtung Omalo – zum einlanden läd es nicht wirklich ein …

Start auf 3000 m

Einlanden, laufen!

Von knapp 3000 m setze ich zum vermeintlich finalen Abgleiter an, acht Kilometer liegen vor mir, samt Talquerung auf die zu erreichende Hochebene des Tracking-Orts auf 1700 m … es langt nicht ich stehe im Talwind und lande schließlich westseitig an einer Alm ein. Erneut eine halbe Stunde Fußmarsch auf gleichbleibender Höhe und das erreichen der nächsten Siedlung. An der Waldgrenze oberhalb wähne ich einen geeigneten Start, um über das Tal nach Omalo abgleiten zu können, das gesamte Dorf befindet sich in Aufruhr und den mir angebotenen Kaffee – ich darf ihn keinesfalls ausschlagen.

Letzter Start: Querung nach Omalo

Herzliche Verabschiedung folgt, man geleitet mich zum Start und es kommt wie es kommen muss: Zunächst turbulenter Start in biestigem Talwind, aufmetern in sonderbaren Luftmassen und eine Talquerung gegen 25 km/h Wind. Es blockert voll aus Ost, Omalo kann ich dank ausreichender Höhe gerade so ereichen.

Hochebene von Omalo

Was es noch zu sagen gibt?

Wir finden uns wenig später wieder, genießen ein vorzügliches Abendessen und kommen zu später Stunde noch in den Genuss eines hervorragenden Livekonzerts, welches an Radiohead erinnern will.

So sieht also das Ende der Welt aus.

Flüge hier:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038148

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038146

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038147

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038158https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038158

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038145

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Freud und Leid

… liegen in unserem Sport oft sehr nahe beieinander. Am Montag morgen müssen wir Roland verabschieden. Er leidet seit Tagen an einem Magen-Darm-Infekt der übelsten Sorte. In Kombination mit einem lädierten Fuß und den Nachwirkungen einer schweren Lungenentzündung hat er für sich beschlossen, die Reise hier zu beenden. Auch für mich fühlt sich das als herber Rückschlag an, denn Roland ist ein sehr guter Freund, der die Gruppe ungemein bereichert und aufgewertet hat. Wir wünschen ihm gute Besserung und hoffen das Beste … trotzdem muss es weiter gehen.

Nachdem wir Tags zuvor auf Robert Blum und Andi Egger gestoßen sind, die ja ebenfalls seit geraumer Zeit im Kaukasus unterwegs sind, verbringen wir den letzten „Gammeltag“ gemeinsam, vertreiben uns die Zeit mit Parawaiting, einem Abgleiter und anschließend fulminantem Abendessen.

Stundenlang: Parawaiting und Fachsimpeln

Eine neue Kombination: Wir treffen die Allgäuer Robert Blum und Andi Egger

Transport zum Abendessen: Georgien zeigt sich überall durch und durch hilfsbereit

Ein wenig Sentimentalität schwingt bei den abendlichen Chacha-Runden mit, in Anbetracht der Tatsache, wie sehr uns dieser einzigartige Sport eint. Gerade deshalb, und in er Hoffnung auf Flugwetter, sollen wir es morgen alle gemeinsam versuchen, ein paar Meter gut zu machen.

Die Basishöhe, gegenüber den umliegenden Bergen, ist fast schon unterirdisch , doch dass es thermisch geht – keine Frage …

Nach einer spritzigen Wanderung und flotten 400 hm soll uns noch ein Pickup unterstützen. Als wir jedoch auf 2100 hm ankommen, haben wir die Basis quasi schon überschritten … Ein abenteuerlicher Start durch Wolkenflusen geht daher, die Sicht gegen null – maximal erahnen können wir das Tal.

Ich steche aus der Wolkenuntergrenze und erkenne das Malleur: ein extrem langes Tal, durch und durch bewaldet, Gegenwind. Ohne Thermik wir es eng werden … Es gelingt ein paar Heber zu zentrieren und über Grat nach Westen zu wischen – aufatmen! Ab hier wird es übersichtlicher …

Trotzdem: Diese anfängliche Herausforderung ist nur ein Vorgeschmack dessen, was uns heute den ganzen Tag begleiten soll: extrem niedrige Basis, teilweise enorm viel Wind, begleitet von zumeist unlandbaren Tälern. Wald, wohin das Auge reicht!

Aufgrund niedrigster Basis: Spannende Linien durch die vorgelagerten Hügel des Kaukasus

Nach nahezu fünf Stunden ist der zähe Kampf beendet, wir haben es geschafft zu dritt zusammen zu bleiben und genießen den Sonnenuntergang: Melancholie schwingt mit. Werner darf seinen fliegerischen Einstand genießen, Roland bucht den Flug in die Heimat.

Freud und leid einer durchwachsenen Reise.

Siehe Flug:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1037533

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Pläne

Ein guter Flug braucht Planung.

Bevor wir soweit kommen, sind wir jedoch relativ planlos, denn die Nacht sowie der komplette Morgen, nach unserem Überraschungsflug, ist geprägt von Gewittern und Starkregen.

Planlos durchstreifen wir den aserbaidschanische Grenzort Balakan. Es ist enorm schwül, immer wieder durchsetzt von Schauern, und die Hoffnung auf einen letzten Abgleiter zur Grenze schwindet. Nach Kaffee und Cola im Zentrum, blitzt uns zwischen den Wolkentürmen plötzlich der vermeintliche Start entgegen – es gibt kein Halten. Eineinhalb Stunden sollen wir nun Brombeergesträuch durchpflügen, als sich nach ca. 400 hm erneut die Regenwand ankündigt und wir klein beigeben: Abstieg!

Zurück in Balakan: Robert hat sich zuvor im örtlichen Bazar perfekt ausgerüßtet.

Am Wegrand eine nette Begegnung: Layla sieht drei mitleiderregend durchnässte Gestalten und bittet uns kurzerhand zum Kaffee. Sie spricht fließend Englisch, erzählt uns vom Studium in Baku und ist sichtlich erfreut, Besuch von „außerhalb“ zu empfangen. Unser Plausch gestaltet sich kurzweilig – trotzdem gilt es weiter zu ziehen: Werner wartet bereits in Lagodekhi, die georgische Stadt direkt jenseits der Grenze …

Durch diese hohle Gasse müssen sie kommen …

Kurzzeitig nochmals Aufruhr und erhöhter Pulsschlag: Der aserbaidschanische Grenzbeamte zeigt sich ebenfalls planlos, fordert unsererseits georgische Visa und verweigert uns zunächst die Einreise. Von Schengen hat er bisher nichts gehört. Eine Viertelstunde später dann der erlösende Anruf: Man hat sich mit den Georgiern – 100 m weiter – verständigt und entlässt uns mit Händeschütteln in die Freiheit …

Herzliche Umarmung an der Grenze: Werner empfängt uns mit Gastgeber Larry, der uns direkt an den reich gedeckten Tisch chauffiert. Larrys Frau Marina zaubert vorzüglich in der Küche, während wir im Taumel der Wiedersehensfreude schwelgen.

Nächster Tag: Technik-Workshop! Gemeinsam erkunden wir die Möglichkeiten der Garmin Inreach-Geräte

Hightech zur Navigation und Verständigung via Satellit. Zu viert zusammen zu bleiben könnte in den hohen Bergen zur Herausforderung werden!

Der anhaltende, teils wasserfallartige Dauerregen soll uns einen kompletten Tag grounden und wir nützen die Zeit bestens, unter Werners Schirmherrschaft einen ausführlichen Plan auszuarbeiten.

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Unerwartet!

Nach der morgendlichen Wiedervereinigung in Shäki, ist es Zeit erneut durchzustarten.

Lasha aus Tiflis hat uns diesen Spot wärmstens empfohlen, samt ausführlicher Wegbeschreibung. Im nördlich gelegenen Taleinschnitt stoßen wir auf das angekündigte Luxushotel – offenbar ein Ort der „Sommerfrische“, für die russisch-aserbaidschanische Oberschicht. Mädels im Designerkleidchen, Jungs in weißer Hose und Polohemd: Man packt sie, in perfekter Selfie-Position, auf die Ladeflächen extremer Allrad-Pickups und steuert auf gröbsten Forstwegen 1000 hm im die Gipfelregion.

Die Sammelstation passierend springt uns einer der Manager hinterher, mit dem dezenten Hinweis: “ You May Not enter this Gate … “ Es handle sich um ein Sperrgebiet und habe irgendetwas mit der russischen Grenze zu tun … Gleitschirmfliegen sei zudem unerwünscht. Hää? Lasha hatte uns hier doch DEN Flugspot versprochen!?

Offenbar haben sich die Zeiten geändert. Natürlich machen wir trotzdem los und wischen unbemerkt durch das Tor. Was nun folgen soll, gleicht dem Räuber-und-Gendarm-Spiel: Fünf bis sechs Mal verlassen wir fluchtartig die Forststraße, durch Brombeerhecken in den steil abfallenden Wald hechtend. Bei jedem Motorengeräusch geht der Puls auf 200. Zudem ist es wohl unserer Bequemlichkeit geschuldet, dass dieser Trip nach einer knappen Stunde beinahe jäh beendet wird: Wir wollen mit einem der Trucks trampen. Der Fahrer entdeckt uns, bleibt abrupt stehen, die Mädels auf der Ladefläche halten das ganze via Selfiecam für die Ewigkeit fest: Man soll uns gehörig zur Sau machen, es folgt ein Telefonat mit der Talstation und die eindeutige Ansage, sofort umzukehren!

Wir halten kurz Kriegsrat, warten bis sich der Pickup entfernt hat und setzen den Weg nach oben natürlich fort. Jetzt abzusteigen und noch auf einen anderen Berg zu gehen – es wäre letztlich ein verlorener Flugtag, der mittlerweile, anbetracht des Wolkenbildes, ohnehin schon maximal auf einen Abgleiter hoffen lässt.

Noch mehrfach flüchten wir in den Wald, Roland verletzt sich zu allem Überfluss auch noch am Fuß, und eine halbe Stunde später erreichen wir sanfte Almwiesen, bewacht von Schäfer Aram.

Aram zeigen wir Bilder und Videos von dem, was wir hier vorhaben: Er ist begeistert. Zwar fehlen uns noch 500hm zum eigentlichen Start, allerdings haben wir hier Sichtschutz zur Straße und es geht ohnehin nur noch darum, irgendwie ins Tal zu kommen.

Soviel Anspannung vorm Start war selten: Wird man uns erwischen?

Erstmal in der Luft gleiten wir raus gen Südosten, um immerhin ein paar Meter machen zu können. An der südlichsten, letzten Kette angekommen, ist es dann soweit: Es reißt ein wenig auf … das Vario schlägt an …

… und wir beißen. Mit 20-30 km/h Ostwind im Rücken und zunehmender Labilisierung – es muss was gehen!

Was sich nun entwickelt, wird zum unerwarteten Traum: Ein sportlicher Ritt durch Hügelausläufer und Flachland-Thermik der uns nochmal ordentlich Meter machen lässt …

Geschafft, müde Krieger!

Ein großes Geschenk, Prost!

Siehe Flug:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1035173

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Bam – ein Hunni!

Nachtzug nach Baku, weit entfernt von den romantischen Anleihen, welche uns einschlägige Romane und Filme vermitteln wollen … Baku Zentrum verlassen wir via Taxi. Der Ex-Fußball-Profi am Steuer ist ein netter Kerl und bringt uns direkt nach Pirgolu, ca. 100km westlich am Beginn der Berge, wo wir tatsächlich eine Startmöglichkeit neben der Straße finden …

… Doch es bleibt lediglich ein Versuch: halbe Stunde Soaring, zwei gewonnene Kilometer – naja immerhin … heute waren wir einfach zu spät dran!

Wir sind heiß, es kribbelt und wir wollen fliegen. Die Berglandschaft ist schon von der Ferne extrem beeindruckend.

Swarovski-Lodge

Die Nacht dürfen wir netterweise in einer monströsen, neu angelegten, noch im Bau befindlichen Lodge verbringen. Der Geldgeber hierfür ist die Familie Swarovski, deren Hirschgehege wir mit den Gleitschirmen geentert haben … Anstatt uns zu verhaften, hat man uns aufs herzlichste bewirtet und sogar für den nächsten Tag ein geeignetes Transportmittel organisiert …

Auf der abenteuerlichen Fahrt, entlang einer groben Piste durchs Flussbett, bleibt uns nichts erspart. Besonders betörend: die ständigen Abgase des Ladas in der Fahrgastzelle…

Zauberhafte Einsamkeit

Kühl-Wasser nachfüllen und Lüfter gangbar machen: Es wird steil!

Irgendwann ist jedoch Schluss und wir setzen die Reise durchs Nirvana zu Fuß fort: Ein steppenähnliches Hochtal, das rundum große Einsamkeit bereithält …

Wenig nach dieser netten Begegnung, wird Robert nervös: Die dichte Schichtbewölkung reißt nach und nach auf, es wird thermisch und wir nehmen den nächstgelegenen Grat zur rechten. Steil bergan geht es, ca. 500 hm …

… und wir erreichen den Start: Ab hier bleibt es nur noch zu hoffen, denn es wirkt Recht stabil, eine saubere Südflanke – Fehlanzeige, der Höhenunterschied zum Talgrund gering. Relativ unsicher starten wir gegen 12.30 Uhr: Was sich nun entwickeln soll, gleicht einem Traum. Ein Traum für den Worte nicht genug sind – es ist Zeit Bilder sprechen zu lassen:

Landeplätze: oftmals Fehlanzeige!

Das schroffe, scharfkantige Gelände ist extrem respekteinflösend. Während des gesamten Flugs ist 100% Konzentration gefragt!

Ein langer Flugtag neigt sich dem Ende, doch es soll noch einige Kilometer durchs Flache gehen. Tagesziel: Sheki

Als wir am Boden stehen ist es Gewissheit: Wir haben ordentlich Meter gemacht …

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1034825

Leider haben wir uns auf den letzten Metern etwas zerstreut. Roland und ich trampen die letzten Kilometer bis Sheki, wo wir morgen einen guten Start wähnen. Robert übernachtet an Ort und Stelle und soll gleich nachkommen.

Zeit fürs Frühstück und dann ab auf den Berg!

Und er ist da …

Ihr hört von uns und seht uns:

https://my.protegear.net/tripview/show?trip=1110e74d-b516-47ba-8782-cbd5cc477dd7&track=all&info=all

Oder:

https://tripshare.selfip.org/tripview/show?trip=78ba54af-6c18-4abd-ba80-8b3c587de67a&track=all

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Link nach Aserbaidschan

Es ist soweit, ihr könnt uns durch Aserbaidschan folgen:

https://tripshare.selfip.org/tripview/show?trip=78ba54af-6c18-4abd-ba80-8b3c587de67a&track=all

Leider sind wir noch nicht alle auf einer Seite verlinkt. Daher nochmal der Link zu meinem Tripview:

https://my.protegear.net/tripview/show?trip=1110e74d-b516-47ba-8782-cbd5cc477dd7&track=all&info=all

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