Abflug Wien

Das Gepäck ist aufgegeben, die Reise beginnt. Drei Stunden Schlaf und Gedanken, die sich im Kreis drehen: Ist es möglich von jetzt auf gleich aus dem Hamsterrad auszusteigen? Für vier Wochen alles hinter sich lassen?

Meinen aktuell neuen Job mach ich eigentlich gerne. Trotzdem hat er in seiner Komplexität die letzten fünf Monate meines Lebens durch und durch bestimmt.

Ein Feuer entfachen geschieht mit Leichtigkeit, es am lodern zu halten – mitunter schwierig. Es geht um Brennstoff. Kreativität braucht ihren Raum, sucht ihre Muße. Für mich ist sie der Kaukasus?

Bis vor wenigen Stunden war ich mir nicht sicher, ob Aufwand und Nutzen dieser Reise im Verhältnis stehen. Jetzt fühle ich das Brennen, habe Lust. Morgen schon soll es durch die Aserbaidschanische Wüste gehen.

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Mit dem Gleitschirm duch den Kaukasus

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, als sich vier Freunde auf den Weg durch den wilden Kaukasus gemacht haben. Die zentralen Hilfsmittel dabei: Laufen und Fliegen.

2019 geht das Abenteur in die zweite Runde – immer entlang der Seidenstraße. Ein Streifzug durch Aserbaidschan und Georgien, vielleicht sogar Abchasien, die abtrünnig georgische Provinz im Westen. Ein Biwakflug von Küste zu Küste. Heuer soll die Route jedoch anders verlaufen: Ziel ist es, tatsächlich am Kaspischen Meer – nördlich von Baku – zu beginnen. Zahlreiche 5000er werden dabei den Weg flankieren, bis schließlich Batumi oder Gagra am Schwarzen Meer erreicht ist.

Politik und persönliche Ziele_R020952

Schwerwiegender, als die onehin komplex sportliche Herausforderung, sind die politisch zu respektierenden Grenzen. Ein Abenteuer zwischenmenschlich bunter Couleur, auf dem ich in den Anfängen von meinem langjährigen Freund und Gleitschirmkollegen Roland Börschel begleitet werde. Roland hat noch eine Rechnung offen, da er die Tour im letzten Jahr aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste.

Ich persönlich möchte nach wie vor alles daran setzen, an einer Küste loszulaufen und die andere fliegend zu erreichen.

WHERE NO ONE GOES

– KAUKASUSFILM VON ROBERT HEIM

Ein kleiner Vorgeschmack und Gleichzeitig die Zusammenfassung des letztjährigen Abenteuers …

Gleitschirmvideo Kaukasus

 

Dieser Blog wird ab dem 04.08. wieder regelmäßig aktualisiert.

 

 

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Spione,Fliegen und 5000er 2.0 – Mit dem Gleitschirm und zu Fuß durch den Kaukasus

Ein ereignisreiches Wochenende liegt zurück. Wir haben berichtet … über Spione, Fliegen und 5000er 😉 Herzlichen Dank für den regen Zulauf der Vorträge in Regensburg und Bamberg.

Für alle die es bisher nicht geschafft haben – ein Höhepunkt der Vortragsreihe steht noch bevor:

KINO KIRCHDORF, am 14.03.2019. Um Roberts wirklich genialen Film „WHERE NO ONE GOES“ erst voll und ganz zur Geltung bringen zu können, findet die Abschlussveranstaltung in diesem überaus würdigen Rahmen statt. Wir freuen uns über euer zahlreiches Erscheinen!

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Zwischen Zahllosen Gletschern und wilder Einsamkeit

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Spione, Fliegen und 5000er

Mit dem Gleitschirm und zu Fuß durch den Kaukasus

Philipp Ott hatte den Traum: Von Küste zu Küste im Vol-Biv-Stil – vom Schwarzen Meer ans Kaspische Meer. Dazwischen galt es das bis zu 5642m (Elbrus) steil aufragende Hochgebirge Eurasiens zu durchqueren, den Kaukasus. In Sotchi startend wollte er durch den russischen Nordkaukasus auf eigene Faust bis zur georgischen Heerstraße fliegen. Vom 5000er Kasbek an sollte es mit seinen Freunden Roland Börschel, Werner Schütz und Robert Heim weiter durch Georgien und Aserbaidschan bis nach Baku gehen. Ein großes Abenteuer nahm seinen Lauf. Was daraus wurde? In ihrem Multimediavortrag SPIONE, FLIEGEN UND 5000er werden die Freunde berichten …

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Regensburg: 22.02.2019 – 19:00 Uhr

Spitalkeller | Alte Nürnberger Straße 12 | 93059 Regensburg

Bamberg: 24.02.2019 – 18.00 Uhr | Einlass: 17.30 Uhr

Stöhrenkeller | Oberer Stephansberg 11 | 96049 Bamberg

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Weitere Infos unter:

https://gsc-ratisbona.de/wp/

https://unterwegsmitstoff.wordpress.com/

http://www.bamberger-gleitschirmclub.de/

Plakat Kaukasus 2019-Stöhrenkeller

 

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“WHERE NO ONE GOES” 2.0 – MIT DEM GLEITSCHIRM DURCH DEN KAUKASUS

Es geht weiter  – am Freitag Abend richtet die Flugschule Chiemsee unseren zweiten Vortragsabend aus:

„18.01.19 Vortrag Werner Schütz et al.

„Quer durch den Kaukasus“ – mit dem Gleitschirm durch Aserbaidschan und Georgien.
Ab 19 Uhr in der Flugschule. Keine Anmeldung erforderlich“

_R020958https://www.facebook.com/events/1239341762885773/

http://flugschule-chiemsee.de/index.html

Wir freuen uns auf Euer zahlreiches erscheinen.

18.01.2019, 19.00 Uhr

Flugschule Chiemsee GmbH Co. KG‎
Am Hofbichl 3 c
83229 Aschau im Chiemgau
Tel. 08052-9494

Email: info@flugschule-chiemsee.de

 

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“WHERE NO ONE GOES” – MIT DEM GLEITSCHIRM DURCH DEN KAUKASUS

Hallo zusammen,

viele haben es sicherlich schon mitbekommen: Trotz größter Widrigkeiten haben Werner Schütz (GER), Robert Heim (AUT), Roland Börschel (GER) und meine Wenigkeit das Abenteuer Kaukasus erfolgreich beendet, sind alle wieder heil nachhause gekommen.

Vieles ist in diesen fast fünf Wochen passiert. Etliche starke Bilder und beeindruckendes Videomaterial konnten wir sammeln. Zahlreiche intensiv zwischenmenschliche Erfahrungen untereinander, vor allem aber mit der einheimischen Bevölkerung machen. Allem voran stehen natürlich gewaltige, teilweise hochkomplexe Flüge, in überwältigender Landschaft.

Ich persönlich habe definitiv eine neue Liebe entwickelt: Die Liebe zu Georgien, aber auch der Kaukasusregion ganz allgemein. Eine Region, die von schweren politischen Zerwürfnissen und interkulturell tiefen Gräben durchzogen ist.

In einem Multimediavortrag wollen wir Euch Land und Leute, natürlich aber auch unseren wundersamen Sport, das Biwakfliegen, näherbringen.

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Den Felsriesen ganz nahe

 

Auftaktveranstaltung: “WHERE NO ONE GOES”

 – MIT DEM GLEITSCHIRM DURCH DEN KAUKASUS

 

 

Wo: BRAUEREI WILL – SCHEDERNDORF   

Wann: SAMSTAG, 24.11.2018, 19 UHR

 

Der Eintritt ist frei, Spenden gerne erbeten.

Vorabinformationen: https://unterwegsmitstoff.wordpress.com/

Sowie: http://www.bamberger-gleitschirmclub.de/

 

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Goldener Oktober oder doch Klimawandel?

Bilder: ULI STRASSER

Es ist Mitte Oktober, als ich von Freund Uli Strasser aus dem Chiemgau Besuch bekomme. Am 16. und 17.10. ist man eigentlich auf Dolomitenflüge aus, verspricht diese Jahreszeit dort zumeist die rundesten Flugbedingungen. Der Flugwetterbericht für die Südalpen ist jedoch halbseiden – wir entschließen uns zu kleinen Hike&Fly-Touren in „meinen“ österreichischen Kalkalpen, der Phyrn-Priel-Region.

Gipfelrast

Am Gipfel des Hohen Nock, flotte 1300 hm Aufstieg vor der Haustür

Herbstlich gefärbte Wanderungen sehen wir als Vorboten auf kleine, lokale Flüge … img_20181017_094545432269902214.jpg

Was uns jedoch tatsächlich erwartet ist atemberaubend: Flüge mit bis zu 80 km Länge und 3200m Basishöhe. Mitte Oktober am Rande der Nordalpen. Unglaublich! Am 16.10. hätten wir durchaus eineinhalb Stunden früher starten können: Ein 100 km FAI-Kurs wäre sicherlich im Bereich des Möglichen gelegen. Wingman 2

Totes Gebirge 2

Das tote Gebirge von der Westseite: ewigkeitsgewirkte Felsformationen, lebensfeindlich schön. Ohne Streckenflugstress kann man sich kaum sattsehen

Spitzmauer

Großer Priel

Monumental:  der Große Priel

Doch es ging letztlich um nichts außer Spazierenfliegen, Staunen und Genießen. Eine Umrundung des Hauptmassivs „Totes Gebirge“ lasse ich mir nicht nehmen …

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Auch Tags darauf herrschen noch gute Bedingungen und wir können bis ans Ende der Haller Mauern vorstoßen.

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Die Krönung jedes Flugtags: Das Abgleiten aus dem Sensengebirge Richtung Flachland, mit Landung vor der Haustür im Wienerweg …

Startvorbereitung

Startvorbereitungen am Hohen Nock

Spitzmauer

Danke an Uli, der sich die Finger abgefroren hat, um diese wunderbaren Momente festzuhalten. An den unmissverständlichen Klimawandel versuchen wir in diesem Moment nicht zu denken …

Flüge siehe  unter:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1069930

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1070249

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Mein Dank …

… ergeht zunächst an alle, die diesen Blog in den letzten Wochen so aufmerksam verfolgt haben. Eure Kommentare, SMS und Mails haben mir die moralische Unterstützung geliefert, wo ich sie am nötigsten hatte!

Gleichzeitig möchte ich mich bei denen entschuldigen, die sich vielleicht große Sorgen gemacht haben …

_R020952Darüber hinaus danke ich der Firma Skywalk und speziell Arne Wehrlin: Aufgrund der perfekten technischen Unterstützung und qualitativ hochwertigstem Material konnte diese Reise überhaupt erst halbwegs entspannt stattfinden. Die Zuverlässigkeit, Stabilität und extreme Leistung des Poison X-Alps, die ich bisher viele hundert Stunden genießen durfte, sowie das perfekt durchdachte Leichtgurtzeug „Range X-Alps 2“ – welches ich für den Biwakflugmodus, als auch für den normalen Streckenflugmodus als nahezu genial erachte – haben mich in allen Situationen ruhig und kontrolliert bleiben lassen.

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Perfekter Komfort und geringstes Gewicht, bei minimalstem Packmaß: Das Range X-Alps 2 bietet gerade für Biwakflüge enorme Vorteile. Allein der ungeheure Stauraum, der je nach Füllstand des aufblasbaren Protektors vergrößert und verkleinert werden kann, begeistert. Darüber hinaus lässt der Luftprotektor nicht nur eine perfekte „Sitzschale“ entstehen, sondern liefert auch noch Spitzenwerte in Aufpralltests.

https://skywalk.info/de/

Des Weiteren ergeht mein Dank an:

-die Firma ProteGear und Inhaber Markus Schlittenbauer: Das Garmin „Inreach“ hat mich in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren lassen. Der via Sattelit stets gewährleistete Kontakt zur Außenwelt ließ mich teilweise der Verzweiflung entkommen … https://www.protegear.de/

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Das Garmin Inreach in zwei Versionen: Benutzt man die Miniversion, ist man smart und leicht unterwegs. Zur Vereinfachung der Handhabung verwendet man die Handy-App „Earthmate“

 

-die Firma Sunnybag.at: Aufgrund der  Solarstromversorgung durch das „Leaf+“ konnten jegliche elektrische Gerätschaften auch außerhalb der Zivilisation funktionstüchtig erhalten werden … https://www.sunnybag.at/

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Das Sunnybag „Leave+“ – mit Solarstrom überall versorgt! Im Bild: Ist die Powerbank voll, können die Gerätschaften (hier das Vario) auch direkt geladen werden.

 

-den Thermikverlag und speziell Norbert Aprissnig: Die Veröffentlichung meines Blogs sowie die fototechnische Unterstützung waren sehr wertvoll … https://www.thermik.at/

Zuletzt, aber nicht vergessen:

Meine Freunde Roland, Robert und Werner. Erst durch sie wurde diese Tour derartig wertvoll. Was bringt schon das einzigartigste Erlebnis, wenn man es nicht teilen kann?

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Als Turis  in Tbilisi

Ich danke Euch von Herzen!!!

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Daheim

Es war unglaublich, hatte Seltenheitswert. Die Flüge in Swanetien haben allem bisher im Kaukasus Erlebten die Krone aufgesetzt. Als ich nach dem Dreiecksflug in Mestia lande, gibt es noch ein großes Wiedersehen: Lasha und seine Freunde haben den Weg hierher ebenfalls geschafft. Man trifft sich in einem der Dorfwirtshäuser, auch Werner und Robert stoßen dazu. Gemeinsam genießen wir die Lebensfreude sowie regionale Spezialitäten Georgiens …

Tags darauf gilt es nach Tiflis zurück zu fahren: Acht Stunden Autofahrt sollen vor uns liegen – mich verfolgen nachträglich die unglaublichen Eindrücke der vergangenen Tage …

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Vor den höchsten Bergen des Kaukasus

Für Lasha scheint es selbstverständlich, sich auf uns einzustellen, uns ins Auto zu packen und einen riesigen Freundschaftsdienst zu erweisen. Als wir ankommen gibt es noch ein Bier im Hostel, bevor wir zum gemeinsamen Abschiedsessen aufbrechen: Lasha (rechts hinten im Bild) zeigt sich selig. Für seine Streckenflugerlebnisse der vergangenen Tage scheinen wir der Stein des Anstoßes gewesen zu sein. Unsere Sportart ist in diesem Land derartig neu, dass eigentlich nichts selbstverständlich ist. In der georgischen Fliegergemeinde hat man offenbar keinerlei Vorstellung, was mit diesen Geräten mittlerweile möglich ist: Zu einem Streckenflug durch Swanetien aufzubrechen – die meisten haben das bisher wohl für unmöglich gehalten …

Ein letztes Mal die Spezialitäten der georgischen Küche genießen

Lasha spricht einen Toast nach dem anderen: Wein- und glückselig folgt der Abtausch gegenseitiger Komplimente, welche die Abschiedsfeier in Tiflis bis spät in die Nacht bestimmen …

Natürlich ist der nächste Morgen am Flughafen von gewisser Schwere geprägt, allerdings schwingt wohl auch in jedem die selbe Vorfreude mit: endlich heimkommen!

 

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Kaiserwetter beim Heimflug: Eindrucksvoll zeigt sich uns der Kaukasus nochmals in voller Schönheit und lässt die Flugroute der vergangenen Tage Revue passieren

 

Am Horizont eine einzelne Wolke? Nein, es ist der gigantische Elbrus, der alles überragt und in den Schatten stellt!

Als die Maschiene in Wien landet, kann ich spürbar aufatmen: Ich bin angekommen.

Wir sind alle heil, haben unglaubliches erlebt. Der Kaukasus, die schwierige Wettersituation, Mentalitätsunterschiede sowie verfahrene politische Situationen … die Kombination aus allem war eine extreme Herausforderung. Von Tag zu Tag galt es sich neu zu erfinden, Problemlösungen zu suchen und dabei trotzdem die Schönheit der Begegnungen wahrzunehmen, auf sich wirken zu lassen und wertzuschätzen.

Spätestens jetzt,  als ich mit Robert in Attnang (Oberösterreich) aus dem Zug steige, werden sie mir vollumfänglich bewusst: die Strapazen der letzten Wochen. Bleierne Müdigkeit legt sich über mich – als ich im Stamm-Kaffeehaus in Kirchdorf ankomme, senkt sich immer wieder ein silberner Schleier über die Augenlieder: Der Zustand ist beinahe trance-artig und ich ruhe in mir selbst …

… endlich daheim!

 

 

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Ende der Selbstdarstellung?

Es gibt Dinge, die beschäftigen. Wir sind am Ende unserer Reise angelangt, spürbar ist die Luft raus. Die vergangenen zwei Tage – ein ungeheures Geschenk: Nie zuvor hatte ich in den letzten vier Wochen derartig solide Wetterbedingungen. Eigentlich hätte man die Reise in Tiflis beenden können, völlig überraschend sollte sich jedoch die wetterbedingte Gelegenheit auftun, in den verbleibenden drei Tagen noch den landschaftlichen Höhepunkt Georgiens wahrzunehmen – Swanetien. Die Möglichkeit, bis an die finale Grenze Abchasiens zu fliegen … Erlebnisse, die wir aufgrund der Kürze, der uns verbleibenden Zeit, längst abgeschrieben hatten. Somit bin ich mehr oder weniger dort angelangt, wo ich sein wollte: zwischen zahllosen Gletschern und wilder Einsamkeit.

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Monströs: Fels und Eis wohin das Auge reicht – man fühlt sich winzig, unbedeutend!

Das Fliegen im Kaukasus verlangt einem alles ab – sich ständig verändernde Talwindsysteme, Hammer-Thermik und extreme Höhenwinde, begleitet von entsprechend heftigen Turbulenzen. Obendrein gilt es, massive Höhenmeter zu Fuß zu bewältigen.

Trotzdem kommt es zum Zwiegespräch: Zwischen den Zeilen oder auch wortwörtlich wirft man mir Selbstdarstellung vor. Selbstdarstellung?! Sicherlich nicht gänzlich von der Hand zu weisen …

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Immer wieder: extreme Karstlandschaften

Warum schreibt man überhaupt ein Reisetagebuch – wie kann es sein, dass es mittlerweile Menschen gibt, die ihren fürstlichen Lebensunterhalt damit bestreiten, Schminktips über ihren Youtube-Kanal zu verbreiten? In meinem Fall ist die Frage leicht beantwortet: Seit April letzten Jahres arbeite ich als Journalist, war ein Jahr lang hauptberuflich als Redakteur für das Thermikmagazin zuständig. Gleitschirmfliegen war von nun an nicht nur mehr Freizeit und Passion, sondern vor allem auch verpflichtender Beruf. Ich komme kaum umhin zuzugeben, dass darunter zwar nicht die Quantität meiner Fliegerei gelitten hat, unabänderlich aber die Qualität! Fliegt man gegen 300 h im Jahr, kann das bei weitem noch nichts über die Intensität der Flüge Aussagen …

Wie auch immer: Der Reise-Flug durch den Kaukasus war ein großer Traum, den ich mir erfüllen konnte. Ich habe nie die Intension gehabt, nur mehr über die Abenteuer anderer zu berichten – vielmehr wollte ich immer, und will nachwievor, meine Eigenen schreiben! Dass ich die Kaukasusreise in gewissem Maße vermarkten müsste … eigentlich hielt ich es im Vorfeld für selbstverständlich. Die Kamera war mein steter Begleiter und hat die Nerven meiner Mitstreiter wohl zusätzlich strapaziert. Sicherlich keine einfache Situation.

Zudem war es aber auch für mich ein Spagat: Es galt all die Eindrücke zu genießen, gleichzeitig aber auch detailliert festzuhalten. Zwänge, denen man ausgesetzt ist, will man Journalist sein … ein Selbstdarstellungszwang? in meinem Fall keineswegs!

Ich habe mich über jeden Kommentar, jede Zuschrift, jede positive Rückmeldung gefreut. Offenbar hat meine bisherige Berichterstattung viele begeistert, meine Texte scheinen sogar bisweilen zu berühren. Das alleine ist fast schon Grund genug die Arbeit zu leisten, die oft mühsam ist – hat man lange, strapaziöse Tage hinter sich.

Dererlei Dinge und viele weitere Gedanken sind es, die mir auf dem Weg zum Startplatz oberhalb Mestias durch den Kopf gehen. Für Robert ist die Reise hier abgeschlossen, Werner ist sich über den den heutigen Tagesverlauf ebenfalls unsicher, für einen finalen Flug über die knapp 4000 m hohe Bergkette südlich Mestias nicht wirklich zu motivieren. Meine Jungs wollen keine Strapazen mehr, der finale Abgleiter ins Flachland ist ihnen nicht mehr wichtig.

Was ich will? Einfach nur noch fliegen! Ohne Gedanken an Berichterstattung, ohne ständige Konzentration auf die Luftbewegungen der anderen. Zusammen fliegen kostet ebenfalls Energie … dieser letzte Flug soll ausschließlich für mich statt finden. Ich starte daher, sobald es die Thermik zulässt – Werner und Robert hingegen scheinen keinen Stress mehr zu haben …

Stress … ich habe nun auch keinen mehr. Vielmehr ein unbändiges Verlangen, mich empor zu schwingen, zu fliegen. Ab der ersten Sekunde fühlt es sich anders an, denn ich folge nun einzig MEINER Intuition, suche ausschließlich meine Linie. Zwar habe ich vor dem Start jede Menge Geier ausmachen können, wirklich abzureißen scheint die Ostflanke jedoch nicht zu wollen. Immer tiefer bastel ich mich in das Tal, östlich des überwältigenden Ushba – drohend steht er da, in der Vormittags-Sonne.

Die im Talverlauf südlich ausgerichteten Rippen lassen meinen Plan aufgehen: Ein anfänglicher Nullschieber hebt mich gegen 3000-, der Anschluss-Bart im Süd-Kessel Richtung Mestia schließlich nahe der 4000 m empor – die gewaltigen Zacken und Gletscherbrüche des „Todbringers“ wirken zum Greifen nahe und ich gehe auf Tuchfühlung.

Nach ausgiebigem Staunen geht es weiter gen Westen: Ich möchte noch so viel als möglich dieser einzigartigen Landschaft inhalieren, bevor politische Zerwürfnisse wieder einen Riegel vorschieben – die abchasische Grenze ist ein striktes Tabu!

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Kurz vor der Talquerung: jetzt noch den geeigneten Bart finden – möglichst weit Richtung Talmitte

Längst habe ich mir einen Plan zurecht gelegt: Es gilt einen Talsprung zu meistern und die sich anschließende Steinwüßte zu queren. Ca. 20 km weiter östlich kurbel ich an Höhe was geht, es ist ca.13.30 Uhr und der Beschluss zur Talquerung nach Süden steht fest – mindestens 10 km gilt es zu bewältigen. Der niedrigste Punkt der zu überfliegenden, südwest ausgerichteten Kette liegt bei ca. 2400 m, als ich am Ende der Querung auf Gegenwind stoße …

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Richtung Süden: großflächige Abschattungen aufgrund von Überentwicklungen. Die Meeresluft feuchtet an

Ich gehe mit dem Poison Rolle auf Rolle. Im Vollgasmodus pflügt die Sichel in den turbulenten Gegenwind und zeigt mir erneut, wozu dieser leistungsstarke Flügel konzipiert ist … Mit satter Höhe kommen wir über Grat an und steigen in das zerissene Aufwindband ein.

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Ein Blick zurück zeigt es deutlich: Das ausufernde Tal von Mestia bietet grenzenlose Streckenflugmöglichkeiten, in atemberaubender Kulisse!

 

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Die Nordseite zeigt sich kalt, düster, rauh und bockig!

Das letzte Hinderniss, die massive, knapp 4000 m hohe Kette Richtung Süden ist erreicht. Zwar ist es hier aufgrund der feuchten Meeresluft absolut überentwickelt, dennoch kann ich mich mit zarten Aufwinden gegen diesen enormen Riegel fortbewegen. Immer wieder Einbuchtungen im Fels, sogar Toplandemöglichkeiten zwischen den Gletschern … Das Fliegen auf dieser Nordseite ist düster, rauh und bitter kalt.

Und dann blitzt es ab und an durch – das Flachland. Ich überlege, zweifle, versuche eine Entscheidung zu treffen. Natürlich währe es verlockend und wohl auch legitim, die Reise für mich mit diesem finalen Abgleiter ins Flachland zu beschließen. Fliegen, bis es keine Berge mehr gibt … Nach einer Stunde des Abtastens und Möglichkeiten-Sondierens schlage ich einen Haken, drehe ab, ziehe Wind unterstützt und im Vollgas einen weiten Strich nach Nordosten, bis an den Fuß des gewaltigen Tetnuldi. Ich wechsle auf einen Dreiecks-Kurs.

Zünftig reißen mich die perfekten Westflanken empor, zurück auf knapp 4000 m und es fühlt sich an, als flöge man in der Abendsonne entlang des Heiligkreuzkofels, nur in völlig anderer Dimension!

Jeder weitere Kreis ist überflüssig, dennoch Streife ich entlang der Grate und Felsabbrüche, inspiziere genauestens das Basislager einer Expedition am Gletscherfuß und lasse mich von den überwältigenden Eindrücken erschlagen.

Entschieden habe ich mich heute einzig für das Erlebnis und … die Rückkehr sowie den gemeinsamen Abschluss mit meinen Freunden.

Am Ausgangspunkt zurück, werde ich gegen 17.30 Uhr an den wunderschönen Seen erneut toplanded. Die tiefstehende Abendsonne, einsame Ruhe, ein Stück Brot und Käse – ein anschließend ausgedehnter Abgleiter: mein ganz persönlicher Abschied vom lang gehegten Traum, vom nun erfüllten und bewältigten Abenteuer.

Siehe Flug unter:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1043608

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