Wild in Swanetien

Als ich mitten in der Nacht aufwache, ist es eisig kalt! Frost an der Zeltwand, sternklar – die Luft absolut ruhig, der Nordföhn komplett zusammengebrochen. Eine Vorahnung macht mich unruhig: Bei diesen Vorzeichen sollte ein richtig guter Flugtag auf dem Programm stehen …

11.30 Uhr: Die Ostflanke am Pass ist sicher nicht perfekt, doch überall kumuliert es bereits, der überregionale Ostwind ist deutlich spürbar – irgendwie soll es uns schon wegsaugen.

Ich folge Werner dicht auf den Fersen, gemeinsam soaren wir den Grat auf und ab in der Hoffnung, irgendwie die verblasen Ablösungen einfangen zu können. Zwar überhöhen wir den südlich vorgelagerten 3000er, doch es zieht einfach nicht richtig durch. Während die Sonne immer mehr auf Süd wandert, wird diese zähe Angelegenheit zum Geduldsspiel. Auch Robert bastelt. Ich probiere es ein Stück östlich, doch die Rippe trägt nicht. Schon sehe ich mich tief im Hang einlanden, als mich der Mut der Verzweiflung packt: Mit gerade mal 50 m Überhöhung pfeife ich über den Pass nach Westen. Klar, dass mich, unter Einfluss des kräftigen Ostwinds, das anschließende Lee gehörig beuteln würde und ich dabei richtig tief komme, allerdings zeigt der Riesenkumulus über der folgenden Südostflanke deutlich, dass die Luft hier – abgeblockt vom überregionalen Windeinfluss – thermisch bereits gewaltig aktiv sein muss. Es kommt, wie es kommen muss: Extrem tief bohre ich, knapp über der Baumgrenze, in eine der zarten Rippen, drei Soaringausschläge … es reißt an und schießt mich letztlich mit integrierten 5 m/s in den Orbit.

Auf Basishöhe ist der Ostwind deutlich spürbar, ich wechsle zur nächsten Rippe und parke an der Wolke, stets Ausschau nach Robert und Werner haltend.

Wenig später kurbeln wir gemeinsam an der Basis und der Rest des Tages soll sich als Geschenk erweisen: Wir peilen Mestia als Ziel an und werden uns in den folgenden Stunden entlang der höchsten Berge des Kaukasus schieben lassen. Eine gewaltige Gletscherlandschaft, abgrundtief kohlschwarze Schründe, die wie aufgebrochene Narben in den Fels gerissen sind … dem allem ist erneut der Worte kaum genug – wieder an der Zeit, Bilder sprechen zu lassen:

Entlang der Westflanke des Tetnuldi: Die Wolken am beinahe 5000er saugen gewaltig!

Vorm Ushba: der „Menschefresser“

Der Flugtag klingt mit der krönenden Toplandung an den Seeen oberhalb Mestias aus: Werner und ich gönnen uns das mühsam transportierte, nun perfekt temperierte Landebier und gleiten wenig später ins Tal – Zeit fürs Duschen sowie eine warme Mahlzeit …

Siehe Flug unter:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1043424

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