Konvergenz!

Der Flug von Omalo nach Shatili – ein Traum der in Erfüllung gehen sollte, trotz heftigster Bedingungen. Die extremen Windverhältnisse dieses Tages ließen leider keine größere Distanz zustande kommen, der Südwest hat uns eher Richtung Nordwesten an die russische Grenze abgedrängt, und somit alle Vorhaben, auf direkter Linie Richtung Westen und Stepanzminda zu fliegen, vereitelt.

Auch für heute ist deutlicher Südwest angekündigt, es direkt von Shatili Richtung Kasbek zu versuchen wäre nahezu aussichtslos. Kurzerhand ist ein Fahrer organisiert und wir legen die nächsten 16 km, bis zum Pass Richtung Roshka, allrad-getrieben zurück. Der von hier abzweigende Grat Richtung Norden soll uns direkt auf eine ost-west-verlaufende Kette führen und verspricht somit einen perfekten Ausgangspunkt, um den Flug Richtung Stepanzminda trotz Gegenwind zurücklegen zu können …

Ankunft am Pass

Aufstieg entlang des Grats: ein genussvoller Spaziergang

Startvorbereitungen: Kräftiger Südwest verspricht konstantes Soaring

Das Stahlbau macht es deutlich: Jegliche Thermik ist verblasen!

Nach der Ankunft am Startplatz herrscht Unsicherheit: um uns herum der Himmel Blitz blank, zwei Ketten nördlich das Cumulus-Gewölk. Haben wir eine Chance Richtung georgischer Heerstraße? Selbst wenn wir hier wegkommen sollten: Nach Roshka würde nochmals ein massiver Pass (3000 m) Richtung Westen auf uns warten …

Ich verliere die Geduld und starte in der Überzeugung, dass die einzige Möglichkeit weiterzukommen darin bestünde, zur nächstgelegenen Südflanke zu soaren, ein paar Meter Höhe zu machen, um anschließend direkt zur Talquerung an die nördlichere, höher gelegene Kette zu queren. Gesagt, getan. Robert und Werner folgen wenig später, gemeinsam parken wir im dynamischen Aufwind über der Südflanke und warten auf Ablösungen. Diese sollen jedoch ausbleiben … Knapp 100 m über Grat drehe ich irgendwann direkt nach Norden ab, setze zur Talquerung an und …

… finde tatsächlich eine Linie die trägt, ohne allzusehr durchs Lee gebeutelt zu werden.

Mit ausreichender Höhe erreiche ich die Kette, doch auch hier scheint die Thermik auszusetzen: Es steht spitz auf Knopf. Kommt man nochmals tiefer würde man in immer stabilere Luftschichten eintauchen – ich kämpfe um jeden Meter! Ein zähes Thermik-Soaring-Gemisch lässt die Höhe halten, aus dem anfänglichen Nullschieber entwickelt sich ein sanfter Bart.

Robert und Werner gelingt es ebenso, wir rotten uns erneut zusammen und sollen von nun an in perfekter Linie Gen Westen ziehen. Meter um Meter nähern wir uns dem Pass, die Basis nur knapp über Grat. Viel Spielraum würde nicht vorhanden sein, jedoch schiebt der Talwind tüchtig an. Noch dreieinhalb Kreise und … Touchdown!

Es gelingt uns über den massiven Block zu wischen und plötzlich: heftige Turbulenzen – der Talwind blockert uns aus Stepanzminda entgegen. Robert quert auf die südliche Talseite und es soll unser Rettungsanker sein. An einer Nordflanke steigen wir wenige Meter über Talgrung in den dynamischen Aufwind ein, es gelingt einige hundert Meter zu machen und dann geschieht Gespenstisches: Über Talmitte geraten wir in konstanten, großflächigen Aufwind und es scheint, als könne dieser nie mehr versiegen … Konvergenz!!!

Die Wolkenmauer zeigt es deutlich: Zwei extreme Windsysteme prallen aufeinander!

Wie im Traum schiebt es uns im kräftigen Bart an der weißen Wand empor, bis wir weit jenseits der 4000 m angelangt sind …

Talausgang Stepanzminda

Den Bart verlassend ist er wieder spürbar vorhanden: kräftiger Südwest. Vollgas!

Durch heftige Lees lasse ich mich in das Haupttal Richtung Stepanzminda prügeln, habe Robert und Werner längstens verloren – der eine vor, der andere hinter mir. Mit knapp 7 m Sinken schüttelt es mich ums Eck, und ich tauche irgendwann ein in den kräftigen Talwind, immer der ausgeprägten Westflanke des Haupttals folgend. Die nächsten Kilometer hangel ich mich soarend vorwärts und erreiche irgendwann die breiteste Stelle im Tal. Zeit zur Landung – es soll sportlich werden.

Blick Richtung Stepanzminda,dort wo vor zweieinhalb Wochen alles begann

Deutlich vorhaltend plane ich den Landeanflug bereits rückwärts, die monströse Hochspannungsleitung stets im Auge behalten. Der Tacho geht gegen 0 km/h und dann …

Blick zurück: Abschied aus den georgischen „Dolomiten“

… ein sanftes Antippen am Boden, gefolgt vom blitzschnellem Abreißen des Schirms: Mit beiden Füßen stehe ich fest am Boden, das Ziel ist erreicht!

Tramp mit Werner nach Stepanzminda

Wenige Minuten später taucht Werner aus dem Nichts auf und wir wandern gemeinsam entlang der Straße gen Stepanzminda …

Es folgt ein freudiges Wiedersehen mit Robert – alle drei wähnen wir uns in dem Glauben, hiermit den zentralen, wichtigsten Teil unserer Reise hinter uns gelassen zu haben.

Wenig später kommt Freund Lasha aus Gudauri angefahren, uns aufzulesen. Gemeinsam fahren wir, ob der erneut miserablen Wetterprognose, nach Tiflis. Ein rauschendes Fest soll das bisher Vergangene würdigen …

Siehe Flug unter:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1039834

p.S.: Die Wetterprognose hat sich geändert und wir werden uns auf die Westseite Südossetien bewegen. Man darf also gespannt sein, was uns die nächsten drei Tage noch bringen werden …

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