Ratlos

Wir schreiben Dienstag, den 14.08.2017:

Gestern gingen sich, trotz schwierigster Umstände, gute 70 km aus und wir konnten Pshaveli erreichen, der Ort an dem sich das Tal gen Norden und Abanopass zieht, welcher mit knapp 3000 hm herausfordert. Dahinter im Norden, jenseits des Tracker-Orts Omalo, würden die 4000er auf uns warten …

Pshaveli soll für uns zum Ort der Entscheidung werden. Nach einer Zeltnacht im Garten des ortsansässigen Jeep-Tours-Unternehmen, herrscht auch am nächsten Morgen noch absolute Konfusion. Der Tag heute lässt wahrscheinlich weniger als gestern erwarten – bei diesen Bedingungen in die hohen Berge reinzufliegen wäre unsinnig -, der Mittwoch nochmals weniger, sogar etwas regnerisch. Donnerstag und Freitag hingegen scheinen verheißungsvoll …

Was bleibt zu tun?

Die Kette der Bergausläufer, auf der wir die letzen 150 km unterwegs gewesen sind, verliert sich spätestens hier, gen Westen gesehen, im Nirvana: Flache Hügel und undurchdringlicher Wald. Als uns morgens um sechs der Fahrer des Allrad-Shuttles aufnehmen will, sind wir uns absolut uneinig, checken alle Wetterberichte. Robert und ich sind drauf und dran, die absolute Planänderung einzuläuten: 50 km südlich erstreckt sich eine weitere Kette, die in direkter Linie nach Tiflis führt.

Das würde bedeuten, die komplette Geschichte nordöstlich von Tiflis, einschließlich der Gegend um den Kasbek (5033m), bleiben zu lassen. Ich werfe noch kurz ein, dann doch gleich weiter nach Svanetien, in den Westen Georgiens zu reisen. Werners Kommentar: „OK, jetzt wird’s konfus!“ Eine eindeutige Entscheidung zu treffen – sie ist uns auf Grund der Wetterlage sowie der Geländestruktur enorm schwer gemacht.

Pickup-Ladeflächen: Mittlerweile ein probates Vortbewegungsmittel

Wir entscheiden uns für das Naheliegenste, lassen uns ein paar Meter das Tal reinfahren und versuchen die nächste Kette zu erklimmen. Schon nach wenigen Metern ist klar: Dieser Weg führt nach Nirgendwo, sich verzweigende Bäche und Dschungel!

Wir kehren um, laufen zurück zur Straße. Dann doch die Entscheidung: Trampen bis zum Abanopass. Leichter gesagt als getan, der Verkehr ist spärlich, die grobe Piste zumeist nur von Turi-Jeep-Unternehmen befahren. Mahad ist es zu verdanken, dass wir dann doch ein paar Kilometer weiter kommen. Auf der Ladefläche des Pickups fahren wir mit ihm und seinen Arbeitern zur Baustelle, tief im Tal.

Frühstück am Bau!

Man versorgt uns herzlich mit Butterbroten und Instantkaffee, lässt uns am gemeinschaftlichen Frühstück teilhaben und nötigt uns zum scheinbar obligatorischen Chacha. Wer das Schnapsritual auslässt, wird in diesem Land Schwierigkeiten haben: Gemeinschaftliches trinken öffnet Tür und Tor!

Wenig später ist es dann ausgemacht: Einer der Bauarbeiter fährt und auf den Abanopass: Eine spektakuläre Piste lässt uns beinahe 1800 hm überwinden, stets am Rande des Abgrunds. Auf nahezu 2500 m schneiden wir durch die Wolken und lassen uns überwältigen, von der grandiosen Morgenstimmung …

Abanopass Richtung süden

Am Abanopass muss es schnell gehen – von Süden türmt sich bereits die Weiße Wand. Wir erklimmen noch 150 hm zu Fuß, starten sobald die Sicht frei ist und queren schleunigst das Tal Richtung Nord-Westen, auf die Kette Richtung Omalo.

Direkt nach der Querung heißt es einladen, Robert wartet bereits. Erneuter Start, mühsames Soaring – Werner und Robert erwische es besser und queren hoch zur nächsten Querrippe gen Norden. Ich lande ein, bin ratlos und fliege schließlich tief, ebenfalls zur nächsten Rippe …

Werner und Robert soll ich erst am Abend Wiedersehen. Den Kompletten Nachmittag verbringe ich mit weiteren Hanglandungen, kombiniert mit kraftraubenden Anstiegen, entlang steil aufregender Grate. Es gilt hoch zu bleiben, das langgezogene Tal Richtung Omalo – zum einlanden läd es nicht wirklich ein …

Start auf 3000 m

Einlanden, laufen!

Von knapp 3000 m setze ich zum vermeintlich finalen Abgleiter an, acht Kilometer liegen vor mir, samt Talquerung auf die zu erreichende Hochebene des Tracking-Orts auf 1700 m … es langt nicht ich stehe im Talwind und lande schließlich westseitig an einer Alm ein. Erneut eine halbe Stunde Fußmarsch auf gleichbleibender Höhe und das erreichen der nächsten Siedlung. An der Waldgrenze oberhalb wähne ich einen geeigneten Start, um über das Tal nach Omalo abgleiten zu können, das gesamte Dorf befindet sich in Aufruhr und den mir angebotenen Kaffee – ich darf ihn keinesfalls ausschlagen.

Letzter Start: Querung nach Omalo

Herzliche Verabschiedung folgt, man geleitet mich zum Start und es kommt wie es kommen muss: Zunächst turbulenter Start in biestigem Talwind, aufmetern in sonderbaren Luftmassen und eine Talquerung gegen 25 km/h Wind. Es blockert voll aus Ost, Omalo kann ich dank ausreichender Höhe gerade so ereichen.

Hochebene von Omalo

Was es noch zu sagen gibt?

Wir finden uns wenig später wieder, genießen ein vorzügliches Abendessen und kommen zu später Stunde noch in den Genuss eines hervorragenden Livekonzerts, welches an Radiohead erinnern will.

So sieht also das Ende der Welt aus.

Flüge hier:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038148

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038146

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038147

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038158https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038158

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1038145

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3 Kommentare

  1. Danke Phillip für den bislang tollen Flug-Reisebericht im Nirgendwo. Spannender kann eine Urlaubslektüre nicht sein. Keep on flyin‘ and stay safe!

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    • Hallo Harald, vielen Dank, das unterstützt großartig!
      Vorhin auf 2800m eingelandet und jetzt Lagerfeuer, ein Traum. Morgen perfekter startplatz,. Brauchen nur noch ein wenig Wetterglück … Gute nacht

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