Unerwartet!

Nach der morgendlichen Wiedervereinigung in Shäki, ist es Zeit erneut durchzustarten.

Lasha aus Tiflis hat uns diesen Spot wärmstens empfohlen, samt ausführlicher Wegbeschreibung. Im nördlich gelegenen Taleinschnitt stoßen wir auf das angekündigte Luxushotel – offenbar ein Ort der „Sommerfrische“, für die russisch-aserbaidschanische Oberschicht. Mädels im Designerkleidchen, Jungs in weißer Hose und Polohemd: Man packt sie, in perfekter Selfie-Position, auf die Ladeflächen extremer Allrad-Pickups und steuert auf gröbsten Forstwegen 1000 hm im die Gipfelregion.

Die Sammelstation passierend springt uns einer der Manager hinterher, mit dem dezenten Hinweis: “ You May Not enter this Gate … “ Es handle sich um ein Sperrgebiet und habe irgendetwas mit der russischen Grenze zu tun … Gleitschirmfliegen sei zudem unerwünscht. Hää? Lasha hatte uns hier doch DEN Flugspot versprochen!?

Offenbar haben sich die Zeiten geändert. Natürlich machen wir trotzdem los und wischen unbemerkt durch das Tor. Was nun folgen soll, gleicht dem Räuber-und-Gendarm-Spiel: Fünf bis sechs Mal verlassen wir fluchtartig die Forststraße, durch Brombeerhecken in den steil abfallenden Wald hechtend. Bei jedem Motorengeräusch geht der Puls auf 200. Zudem ist es wohl unserer Bequemlichkeit geschuldet, dass dieser Trip nach einer knappen Stunde beinahe jäh beendet wird: Wir wollen mit einem der Trucks trampen. Der Fahrer entdeckt uns, bleibt abrupt stehen, die Mädels auf der Ladefläche halten das ganze via Selfiecam für die Ewigkeit fest: Man soll uns gehörig zur Sau machen, es folgt ein Telefonat mit der Talstation und die eindeutige Ansage, sofort umzukehren!

Wir halten kurz Kriegsrat, warten bis sich der Pickup entfernt hat und setzen den Weg nach oben natürlich fort. Jetzt abzusteigen und noch auf einen anderen Berg zu gehen – es wäre letztlich ein verlorener Flugtag, der mittlerweile, anbetracht des Wolkenbildes, ohnehin schon maximal auf einen Abgleiter hoffen lässt.

Noch mehrfach flüchten wir in den Wald, Roland verletzt sich zu allem Überfluss auch noch am Fuß, und eine halbe Stunde später erreichen wir sanfte Almwiesen, bewacht von Schäfer Aram.

Aram zeigen wir Bilder und Videos von dem, was wir hier vorhaben: Er ist begeistert. Zwar fehlen uns noch 500hm zum eigentlichen Start, allerdings haben wir hier Sichtschutz zur Straße und es geht ohnehin nur noch darum, irgendwie ins Tal zu kommen.

Soviel Anspannung vorm Start war selten: Wird man uns erwischen?

Erstmal in der Luft gleiten wir raus gen Südosten, um immerhin ein paar Meter machen zu können. An der südlichsten, letzten Kette angekommen, ist es dann soweit: Es reißt ein wenig auf … das Vario schlägt an …

… und wir beißen. Mit 20-30 km/h Ostwind im Rücken und zunehmender Labilisierung – es muss was gehen!

Was sich nun entwickelt, wird zum unerwarteten Traum: Ein sportlicher Ritt durch Hügelausläufer und Flachland-Thermik der uns nochmal ordentlich Meter machen lässt …

Geschafft, müde Krieger!

Ein großes Geschenk, Prost!

Siehe Flug:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1035173

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