Grüne Hölle und Dshamilja

Ich bin am Rande meiner Kräfte!

Was sich bereits auf den Wegen des Nationalparks abgezeichnet hat, soll nun, ein Seitental richtung Gletscher querend, zur Gewissheit werden: Verlässt man die ausgeschilderten Wege, wird es dicht. Zwar folge ich einem in Alpinequest verzeichneten Pfad, von einem tatsächlichen Steig kann jedoch kaum die Rede sein!

Das zu durchdringende Dickicht ist bisweilen mannshoch und schon jetzt ist jeder Schritt mühseligst … Die zu bewältigenden 1200hm – ich habe sie absolut unterschätzt!
Der lästige Bewuchs soll sich auf weit über 2000 m ziehen und ich wünschte mich im Besitz einer Machete: Der Dschungel in Vietnam kann kaum heftiger sein … Auch als das Gelände felsdurchsetzt wird, ist es kaum einfacher, der GPS-Track ist wohl lediglich als Anhaltspunkt zu verstehen, um diverse Steilwände zu vermeiden.

Wie soll erst der Talschluss aussehen?

Durch gewaltige Rinnen, Felsabbrüche und Schneefelder suche ich den Weg …

… Bis sich langsam der Pass auf 2800 hm abzeichnet. Eine steil abfallende Schneerinne in Turnschuhen zu queren – die letzte Herausforderung, verschärft durch die ca.20 kg Gepäck …

Der wild zerklüftete Grat ist erreicht!

Hier angekommen stehen mir ca.20-30 km/h Süd-Ost auf die Nase. Ich würde fliegen, doch an einen Start ist nicht zu denken: Die rasiemesserscharfen Felszacken würden den Poison in seine Einzelteile zerlegen!

Wenige hundert Meter tiefer: Steile Grasnarben, ich lege aus. Mit ein bisschen Wind sollte es gehen – doch dieser soll hier komplett eingeschlafen sein … ein Startabbruch und die Entscheidung zum Abstieg.

Nochmal 1000 hm, beherrscht von brachialem Gelände. Das anschließende Hochtal durchquere ich im Flussbett, doch der kaukasische Dschungel holt mich auch dort wieder ein … Jeder Schritt gleicht einer Qual, das Tageslicht wird spärlich. Mit der untergehenden Abendsonne erreiche ich – dem Himmel sei Dank – mein Nachtlager, eine im Dickicht versteckte Forsthütte zur Notunterkunft.

In Anbetracht meiner knapp bemessen Vorräte ein Lichtblick: Ich finde Gefriergetroknetes und Bulgur vor. In Ermangelung eines Kochers heize ich kurzerhand den Ofen ein … Der Bulgur gemischt mit Tütensuppe – ein Festmahl!

Auch für den nächsten Tag, den ich wegen Regens bis in die Mittagsstunden beschließe dort zu verbringen, ist somit für Verpflegung gesorgt. Kalorien zählen ist angesagt – sicherlich nicht um des Abnehmens Willen: Die nächste Ortschaft zur Versorgung ist gut und gerne drei Tagesmärsche entfernt!

Ich verbringe den Tag mit Dshamilja, eine Lektüre die mir mit auf den Weg gegeben wurde. Trostspendend malerische Worte, ist man ganz und gar auf sich selbst zurück geworfen.

In den Abendstunden säumt, wie aus dem Nichts, eine Gruppe russischer Wanderer meinen Weg. Ihre Herzlichkeit zeigt sich, als sie mir mit einigen Päckchen Suppe und Lamm-Salami aushelfen … Gastfreundschaft – man findet sie auch im Nordkaukasus!

Ich werde ruhiger und meine Hoffnung auf einen Flugtag wächst. Die steilaufragenden Südflanken oberhalb meines Lagers könnten ein perfekter Ausgangspunkt sein …

Noch ein wenig im nahegelegenen Bach kultivieren und dann:

Zeit für’s Bett …

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