Transpyr-2015: Einleitung

Vom Atlantik ans Mittelmeer

(fast schon ein Klassiker)

Biwakfliegen!

Als ich 2007 meinen Gleitschirmschein gemacht hatte, war das der große, in mir aufkeimende Traum. Viele Jahre diverser Bergsportarten lagen bereits hinter mir und nun kam noch das Fliegen dazu. Leider musste ich anfangs feststellen, dass sich die Kombination aus beidem nicht so einfach wie erhofft bewerkstelligen ließ! Ein passender Vergleich wäre wohl, dass man auch erst Skifahren im konventionellen Skigebiet lernt, bevor man als geübter Sportler eventuell die erste Skitour geht.

Und so zogen die Jahre ins Land, die Streckenflüge wurden jedes Jahr größer und alle anderen Freizeitaktivitäten kamen ob der Fliegerei zum Erliegen.

Und dann durfte ich Boxi kennenlernen.

Angeregt durch den Kirgistanartikel im „DHV-Info“ habe ich den Biwakgroßmeister kurzer Hand eingeladen, seinen Vortrag für den Bamberger Gleitschirmclub zu halten. In der Biermetropole Bamberg fand dies natürlich standesgemäß in der Brauerei statt. Zu fortgeschrittener Stunde, nach intensiven Gesprächen übers „Walk&Fly“ und einigen Hopfenkaltgetränken später, kam von Boxi die entscheidende Frage: „Kimmst mied, naxtes Joahr ind Pyrenäen?“ Trotz des erhöhten Konsums des köstlichen Nass‘, feinster Schederndorfer Braukunst, gab ich in mich schlagartig überkommender ernsthaftester Nüchternheit, die für mich einzig mögliche Antwort: Sofort und jeder Zeit!

Boxis Plan: Die Durchquerung der Pyrenäen vom Atlantik ans Mittelmeer, im Modus „Fliegen mit Freunden.“

Und so zogen die Monate ins Land. Es wurde Frühling, man traf sich zum gemeinsamen Fliegen in Slowenien, Bassano, Kampenwand et cetera und Boxi inniziierte zudem einen E-Mailverteiler, über den zunächst allseits bekannt gemacht wurde. Mehr und mehr wurde diese Plattform allerdings genutzt, um fachliche Tipps und Tricks zur Vorbereitung auf das zweiwöchige Abenteuer auszutauschen. Nach einigem Hin- und Her, nachdem auch so mancher Flugsportkamerad seine Entscheidungsschwierigkeiten überwunden hatte, stand auch die endgültige Besetzungsliste fest:

Boxi, Werner, Robert, Bubi, Uli, Tom, Michi, die beiden „Benes“, Steff, Christin, Blaimi, Sebastian und meine Wenigkeit. Boxi forderte nach Möglichkeit dazu auf, sich in Zweierteams zu organisieren, die während des gesamten Trips untereinander verantwortlich sind. Darüber hinaus sollte jedes Team in der Heimat einen Supporter haben, der die Tracks über den obligatorischen Spot-Messenger verfolgt, um, im Fall der Fälle, die Kommunikation unter den Teampartnern aufrecht zu erhalten. Nachdem mir mein fränkischer Teampartner Roland leider ob beruflicher Verhinderung eine Absage erteilen musste, nahm sich kurzerhand Boxi meiner an. Roland wurde zum Supporter umfunktioniert, was sich später noch als sehr nützlich erweisen sollte………

Der Starttermin, der 25.07.2015, rückte unaufhaltsam näher. Nachdem es zum Geburtstag noch ein UL- Zelt gab (nochmals vielen Dank an meine Freunde vom 1.Bgsc), stand nun auch meine endgültige Ausrüstung fest:

Gin GTO2, Gin Yeti-Leichtrettung, einen Ozium Leichtgurt, Spot, Gps, Vario, Fahrradhelm.

Für den Komfort: Zelt, Schlafsack, Taschenmesser, Stirnlampe, drei Funktionshemden, zwei Merinounterhosen, drei Paar Sportsocken, Ziphose, Primaloft, leichte Unterjacke, winddichte und regenfeste Überjacke, Handschuhe, Sturmhaube, Trinksystem, Wanderstöcke und feste Turnschuhe.

Elektronik (neben schon erwähnter Flugelektronik):

Diverse Ladekabel, Powerbank, Camcorder, Batterien, SD-Karten, Smartphone.

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Zwar konnte ich durch die freundliche Unterstützung von Martin Ogger und seiner Süddeutschen Gleitschirmschule, anhand einer gesponsorten Leichtrettung, Gewicht um Umfang meines Rucksacks nochmals reduzieren, trotzdem drängte sich mir beim Anblick der auf dem Wohnzimmerteppich ausgebreiteten Ausrüstung eine entscheidende Frage auf: „Wie, um Himmels Willen, sollte man das alles in einem Leichtgurtzeug verstauen, ohne, wie in der Biwakszene üblich, auf den Protektor zu verzichten?!!!“

Da ich in diesem Punkt keinen Kompromiss eingehen wollte, begab ich mich eine Woche vor Abreise auf die Suche nach einem begabten Handwerker. Diesen fand ich in der Person von Schuster Levin aus der Hallstadter Straße. Herr Levin stammt aus der Ukraine, ist studierter Ingenieur, seit 20 Jahren in Bamberg ansässig und arbeitet seither als Schuster und Änderungsschneider. Ich erklärte ihm, dass ich ein optionales Upgrade für mein Gz benötige, welches mir genug Stauraum fürs Biwakfliegen verschafft, ich jedoch im Alltag auch ohne Anbau unterwegs sein könne. Fünf Minuten und eine Konstruktionszeichnung später waren wir uns einig:

Herr Levin würde mir eine Art Zusatzrucksack bauen, der sich mittels zweier Reißverschlüsse stromlinienförmig an das Rückenteil meines Gz’s anschmiegen würde.

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Gurtzeuganbau

Danach unterhielten wir uns noch über russische Oper und Weltliteratur; eine wirklich ungewöhnliche, aber überaus nette Begegnung!

Nachdem sich also alle Schwierigkeiten in Wohlgefallen aufgelöst hatten, bestieg ich am Freitag, den 24.07.15, um 8 Uhr morgens den ICE Richtung Paris. Auf Grund meiner studentischen Bonität entschied ich mich gegen den gemeinsamen Flug von München nach Bilbao und nutzte ein Interrailticket, auch im Hinblick darauf, dass ich im Anschluss noch nach Südfrankreich wollte.

Freitag Abend um halb sieben erreichte ich auch schon, gefühlte zwei Tage später, Saint Jean de Luz, einen Hafenort am Atlantik, welcher unseren gemeinsamen Treffpunkt für den kommenden Samstag Nachmittag darstellen würde.

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