TransPyr2015: Tag 12

Ankunft

Am nächsten Morgen setzten wir zum letzten Streich an. Tagesziel und damit auch finale Destination unserer Reise war „Banyuls sur Mer,“ eine malerische, nicht übermäßig vertouristete Hafenstadt, am Ende des GR10.

Als alle startklar waren, ging es durch schattig kühlen Pinienwald stetig bergan.

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Etwa eineinhalb Stunden später hatten wir den ersten baumfreien Bergrücken erklommen.

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Obwohl der Wind sehr stark war, stand es sauber und gleichmäßig auf den Hang und im Prinzip wäre es am Grat, auf mehreren Kilometern Länge, überall startbar gewesen. Einziges Manko: Alle uns zu Füßen liegenden Täler wären, ob der dichten Bewaldung, unlandbar gewesen.

Was tun?

Wir marschierten zum höchsten Punkt des Grates und Boxi, Werner und ich machten uns startklar.

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Falls es tatsächlich nicht tragen sollte, hätte man schleunigst zusehen müssen, 50hm tiefer wieder auf dem Grat einzulanden. Wie es aber der inzwischen heftig gewordene Wind vermuten ließ, war an Absaufen nicht zu denken. Erst mal in der Luft, trug es, wie an einem laminaren Soaringspot zu erwarten, ordentlich, jedoch waren alle Thermikansätze ob des Starkwinds völlig zerrissen und an eine komfortable Überhöhung, um mit Sicherheitshöhe weiter gen Osten zu fliegen, war nicht zu denken.

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Boxi und Werner beim Starkwindsoaren

Etwa einen Kilometer weiter landete ich wieder ein, denn auf, oder gar unter Grathöhe weiter zu fliegen wäre in meinen Augen, angesichts der unlandbaren Situation, Harakiri gewesen. Somit blieb uns nichts anderes übrig, als zu Fuß, dem GR10 folgend, auf dem Höhenrücken weiter zu gehen.

Zwar kamen nach einiger Zeit doch noch start- und auch landbare Gelegenheiten des Weges, jedoch machte die überbordende Windsituation alle weiteren Flugvorhaben zunichte.

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immer wieder Pause und die Hoffnung: Ist der Wind vielleicht schwächer?

Stundenlang bewegten wir uns also, in brütender Hitze, auf diesem Pyrenäenausläufer ostwärts und nach einer leichten Biegung des Höhenzugs lag es dann endlich vor uns……das Mittelmeer!

An einem der letzten Gipfelkreuze, bevor sich der Weg zum Meer hinab schlängeln sollte, machten wir Rast und genossen die herrliche Aussicht.

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Auch nach eingehender, letztmaliger Prüfung der Windverhältnisse durch Blaimi und Boxi, mussten wir uns trotzdem gegen einen Start entscheiden.

300hm in sengender Hitze abgestiegen, kreuzte nochmals eine deutlich niedrigere, einem Tafelberg vergleichbare Querrippe unseren Weg. Am Gipfel konnte man wortwörtlich die letzte Bastion vor dem Meer in Form einer real existierenden Burgruine ausmachen.

Der GR10 wäre nun noch 400hm auf ca.6-7km Länge bergab in Richtung Banyuls gegangen.

Zur Burg rauf zu machen, hätte nochmals gut 250hm Aufstieg bedeutet.

Wir suchten uns zunächst ein schattiges Plätzchen und nach einer Brotzeit döste so mancher friedlich vor sich hin. Brüderlich wurden die letzten Reste von Salami und Weißbrot geteilt und Boxi konnte begleitend sogar noch mit einem verbliebenem Schluck Rotwein aufwarten. Doch selbst diese Motivatoren konnten nicht über die Tatsachen hinweg täuschen. Vom zurückliegenden Gewaltmarsch gezeichnet und ob der offenbar immer noch starkwindigen Situation, entschieden sich eigentlich alle gegen einen Aufstieg zur Burg. Alle? Fast Alle!!!

Zwar war mittlerweile auch meine Motivation völlig am Boden, jedoch wollte Boxi nichts unversucht lassen, das Abenteuer doch noch mit einer Landung am Strand abzuschließen. Ich ließ mich breitschlagen und gemeinsam erklommen die Teampartner die letzten Meter.

An der Ruine angekommen war sofort klar: Der ablandige Wind stand sauber und moderat an unserer Westflanke an. Fünf Minuten später waren wir startklar und schwangen uns zum letzten Flug dieser Durchquerung in die Lüfte.

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finaler Flug mit abendlichem Soaring, ein Traum!

Die letzten Strahlen der Abendsonne genießend, bogen wir irgendwann mit komfortabler Überhöhung ins Lee, in Richtung Banyuls ab. Die im Meer ankernden Yachten zeigten es Perfekt an: Unter uns musste sich auflandiger Wind befinden. Als wir die Konvergenz durchdrungen hatten, gab es wie zu erwarten nochmals ein kurzes Schütteln…….und schon konnten wir, in die ruhige Luft der sanften Seebriese eintauchend, über die Stadt hinweg zum Meer hinausgleiten.

Mit einer wunderschönen Höhe über dem Hafenbecken angekommen, präsentierte Boxi dem noch stark bevölkerten Strand einige blitzsaubere Wingover, während ich mit einer satten Spirale aufs Wasser runter hämmerte und somit die letzten Höhenmeter kaputt machte.

In fünf Metern Höhe überflog ich, dicht gefolgt von Boxi, die noch vollbesetzten Tische der Strandbar und noch während des Aufsetzens gab es ein Highfive mit Bene.

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Geschafft: Ankunft am Strand!

Ein in Stein gemeiseltes Grinsen in den Gesichtern Aller spiegelte wieder, was nun tatsächlich Realität geworden war und woran viele, mich eingeschlossen, größte Zweifel hegten:

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Wir hatten es alle geschafft; und zwar als Gruppe!!!

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Endlich planschen!

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Und nochmal Party!!!

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