Nach Hause!

Um durch die majestätischen 5000er Swanetiens zu fliegen braucht es vor allem eines: konstant gute Wetterbedingungen, bei möglichst wenig Wind. Absehbar war das vergangene Woche kaum.

Vollendung in Abchasien?

Zudem ließen alle Gespräche und Ratschläge mit georgischen Freunden und Bekannten derzeit lediglich einen Schluss zu: Von dem Gedanken an die Einreise in das abtrünnische Abchasien solle ich unbedingt Abstand nehmen. Die in den letzten Monaten erneut entflammten Konfliktherde mit Putins Russland haben die Deeskalation wiederrufen.

Mein abchasischer Begleiter Lasha, würde gefahrlaufen nicht mehr ausreisen zu dürfen. Alleine in ein Land zu reisen, in dem man weder Recht noch Gesetz kennt, halte ich für unverantwortlich.

Abenteuer von Küste zu Küste

Wie also soll man ein Flugabenteuer von Küste zu Küste zu Ende Ende bringen? Eine geringfügige Chance sehe ich zu guter Letzt im kleinen Kaukasus – jenem teilweise knapp 3000 Meter hohen Gebirgsstreifen im Südwesten Tbilisis.

Da ich Swanetien bereits vergangenes Jahr in all seiner überwältigenden Schönheit fliegerrisch erleben durfte, galt es eine Entscheidung zu treffen: Ich würde jede Gelegenheit nützen, das magische Ziel Schwarzes Meer zu erreichen.

Von der Metropole geht es also nach Südwesten. In das 80 km entfernte Bakuriani, ein Wintersportressort und Naherholungsgebiet der smoggeplagten Tbilisier Stadtbevölkerung. Von dort an möchte ich wieder raus.

Alle Versuche ins Fliegen zu kommen sollen jedoch scheitern: Der kleine Kaukasus Georgiens ist eine hügelig naturbelassene Perle, mit extrem viel Wald. In den Sommermonaten aber vor allem eines: bockstabil – Thermik fehlanzeige. Brutal schwülwarme Meeresluft macht die Region im August allenfalls zum Tropenparadies. An Fliegen ist jedoch kaum zu denken.

Vorm Reggae-Hostel in Gonio: der Geist der Freiheit

Gonio

Ich Sehne mich nach Meer … will planschen und die Füße weit von mir strecken. Vielleicht ein finaler Flug mit Landung am Strand? Gonio bei Batumi lässt zumindest topographisch gesehen den Schluss zu, dass hier Aussicht auf Erfolg bestünde.

Und dieser letzte Wunsch soll mir gewährt werden …

Gescheitert?

Ich hatte den Wunsch eine Küste fußläufig zurückzulassen. Mich in unmittelbarer Küstennähe in die Lüfte zu schwingen, um die andere fliegend zu erreichen. Teilweise ist das gelungen.

In Aserbaidschan konnte ich mir vor drei Wochen einen Traum erfüllen – 35.08 km. Eine frei Strecke, so lächerlich diese in Fliegerkreisen auch scheinen mag, die es mir tatsächlich ermöglicht hat, den niedrigsten Hügeln der Küstenlinie des Kaspischen Meeres zu entschweben. Bereits zwei Tage später dann die Landung am Fuße fast 4000 Meter hoher Berge.

Menschen

Gerne – und ebenfalls allgegenwärtig – erinnere ich mich jetzt noch an die Begegnung mit dem Journalisten Nazim Alexandrov, im Norden Aserbaidschans – was für eine Persönlichkeit! Grundgütige Herzlichkeit gepaart mit beeindruckender Intelligenz!

Wäre in Aserbaidschan – sowie generell russisch beeinflussten Regionen – mehr Menschen wie Nazim das politische Wort erteilt, sähe diese Welt vielleicht anders aus. Etwa ein Stück offener, geprägt von Toleranz und einer Art demokratischem Sozialismus. Gibt es das?

Wie auch immer – jede meiner Reisen führt es mir erneut vor Augen: Man sollte wohl auf keinen Fall verlernen sich aufs Wesentliche zu beschränken. Ein paar Unterhosen, drei Hemden, drei paar Socken, eine Ziphose. Der Luxus: die Badehose.

Die Widerwärtigkeit unserer Selbstverständlichkeit! Es geht letztlich um Katharsis. Die Reinigung vom stets überbordenden Zuviel! Ich empfinde sie als Balsam für die Seele. Sie rückt mir den Kopf zurecht. Schon jetzt beginne zu überlegen, welcher Dimge ich mich des weiteren entledigen werde. Viel gibt es nicht …

Eine spektakuläre Mitfahrgelegenheit

So einfach es auch klingen mag – die Kreditkarte in meinem Plastikbeutel gibt letztlich doch extremen Rückhalt, ist als fast exorbitantes Backup zu verstehen. Die Begegnungen der letzten drei Wochen haben auch das wieder eindrucksvoll belegt: keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Vielmehr stellt dieses Stück Plastik ein ungeheures Privileg dar.

Aus dem Rucksack: Flugzeug und alle lebensnotwendigen Dinge in einem Päckchen – keine 20 Kilo schwer – eben unterwegs mit Stoff …

Im globalen Zusmmenhang geht es schließlich doch um wesentlich mehr, als lediglich die schnöde Überlegung, ob man sich jetzt das verdammte Schwimmbad in den eigenen Garten bauen soll, „um nicht mehr mit DIESEN Migrantenkindern planschen gehen zu müssen … “

Ankunft

Ich bin zum Ende gekommen. Werde gleich in Prag aus dem Flugzeug steigen. Noch ein paar Stunden Autofahrt durch die Nacht, dann die Ankunft daheim. Endlich!

Danke an Euch alle für die vielen Glückwünsche zur Reise, fürs lebendige Mitverfolgen. Oft tut es gut zu wissen, dass da einer ist, der an dich denkt.

Details zum Flug:

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/23.8.2019/12:58

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Abschied von Tuscheti

Der herzlichen Einladung von Tamuna und Nodi bin ich gerne gefolgt. Den besonderen Charme der nie abreißenden Autokolonne entlang der Heerstraße zu erklären mag etwas seltsam anmuten. Trotzdem war auch diese Nacht besonders – sonderbar schön.

Tags darauf lockt das Wetter erneut zu einem Flugversuch. Zwar ist auch heute nicht viel drin, aber für ein bisschen Spazierenfliegen soll es allemal langen …

Ein paar Kilometer weiter südlich lande ich erneut an der Heerstraße und es dauert keine 5 Minuten, bis mich Ovik einsammelt. Tatsachlich fährt er von Moskau in seine armenische Heimat, schlappe 2200 Kilometer. In einem Rutsch, versteht sich.

Mein Hostel buche ich spontan in der Tbilisier Altstadt. Die Lage ist nahezu perfekt, um vieles fußläufig zu erreichen. Ironie des Schicksals – das Haus liegt unweit der Tbilisier Oper.

Es ist Zeit für ein bisschen Ruhe. Die Möglichkeit, den Gedanken nach zu hängen. Flugwetter erwarte ich vielleicht wieder ab Dienstag. Solange treffe ich liebgewonnene Freunde: Meine Ankunft zelebriert man hier gerne und ausgiebig!

Details zum Flug:

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/17.8.2019/09:56

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Von Roschka nach Gudauri

Den Nationalpark Tusheti will ich nun hinter mir lassen. Die Tage im Nirgendwo waren bizarr, aber trotzdem hart. Kaum vorhandene Thermikansätze machen ein Vorankommen schwierig. Es bleibt einzig, die vielen Höhenmeter zu Fuß zu gehen, sich dann geschickte Fluglinien zu suchen, um Meter zu machen. Vom Nachtlager in Roschka gilt es zunächst den Pass Richtung Stepanzminda zu bewältigen …Es geht also weiter westwärts, Richtung georgischer Heerstraße.

Monumental, allgegenwärtig und alles übertrumpfend – der Kasbek

Ein lift im LKW, um 30 km nach Norden zu kommen …

Ankunft am Tandemflughotspot Gudauri

Ich möchte Richtung Süden und Tbilisi fliegen …Doch auch hier kaum Thermik, es soll mich nicht sonderlich weit tragen …

Normalzustand an der georgischen Heerstraße, Autofahren allseits im Grenzbereich

Das Treffen mit Lasha in Tbilisi soll sich verschieben, ich treffe Freunde in Gudauri …

Details zur Route und den Flügen:

https://protegear.io/tripview/show?trip=0f0c6f01-aac8-4516-8fbc-00e1aa925a9b&info=all&track=all

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/16.8.2019/07:19

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/16.8.2019/10:30

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Unter Vollmond und Sternschnuppen

An einem Tag von Omalo nach Stepanzminda, an die georgische Heerstraße?

Schön wäre es gewesen. Doch Sonne heißt nicht zwangsweise Flugwetter – es ist absolut stabil, kaum Thermikansätze. Nachdem ich von omalo 30 km im hike&fly-modus zurück gelegt hatte, musste zwangsweise ein Biwak im Nirgendwo herhalten …

Nach zweieinhalbtausend Höhenmetern gelingt es, am Talschluss einzuladen …

Das Auffüllen der Wasservorräte, auf halben Weg zum Grat, entfacht ein persönliches Freudenfest!

Trotz aller Strapazen und schwierigen Flügen – für den Moment des selten schönen Biwaks, direkt am Grat auf 3100 m, hat es sich gelohnt.

Vollmond und Sternschnuppen, eine epische Nacht!

Der Kasbek am Horrizont übertrumpft am nächsten Morgen alles, und weiter geht es über die Grate Richtung Roschka. Auch hier ist das fliegen kaum ergiebig, erspart es doch immerhin aufreibende Abstiege!

Schließlich bin ich in Roschka. Über den Jutapass soll es morgen früh weiter nach Stepanzminda gehen – es ist gewittrig gemeldet. Auch das Wetter der nächsten Tage macht wenig Hoffnung. Ich bin an wunderschönen Orten, genieße den Moment. Gute Nacht!

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/14.8.2019/08:55

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/14.8.2019/12:51

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/15.8.2019/08:49

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Alleine!

Ich kann es nicht genau beschreiben. Fast fühlt es sich an, als hinge ich ein wenig in der Luft, als stünde ich zwischen den Stühlen. Die fliegerische Aufgabe morgen wird eine absolute Herausforderung. Natürlich ist man unter dem Gleitschirm immer auf sich selbst gestellt, allerdings gibt einem das Wissen um einen Flügelmann mental gewissen Rückhalt.

Durch das Ausscheiden Rolands ist da plötzlich ein Luftloch. Ich bin wieder gut in Form, habe Energie und die Füße sind abgeheilt. Jetzt bleibt es einzig, morgen die taktisch richtigen Entscheidungen zu treffen. Intuition spielt dabei wohl die größte Rolle.

Sich vollkommen auf seine Intuition verlassen zu können, sich gänzlich nach dieser auszurichten, ist mir persönlich immer dann gegeben, wenn ich im Vollbesitz meiner mentalen Stärke bin. Ein Part, den ich mir morgen zurück erkämpfen möchte.

Momentan sehe ich nur das Wirrwarr der komplexen Talverläufe Richtung Westen und spüre die Einsamkeit.

Es ist auch gut so.

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Von der Grenze nach Tusheti

Bam, zurück in die Luft! Die Tage waren intensiv. Die Flugzeiten in Aserbaidschan hielten sich jedoch in Grenzen. Roland muss zu Kräften kommen und wir entscheiden uns zur Abkürzung. Sicherlich ist es auch die Sehnsucht nach Georgien, die diesen Plan beflügelt hat. Flugwetter war für heute eigentlich nicht ersichtlich – und trotzdem, einen Flugversuch aus dem Nationalpark Lagodechi, direkt von der aserbaidschanischen Grenze weg, lasse ich mir nicht nehmen. Roland wird in Pshaveli warten, die Abzweigung in Richtung Abanopass und Tuschetien.

Der Weg vom Guesthouse zum Startplatz birgt zwar 1600 hm, sollte jedoch laut GPS-Track locker machbar sein. Doch es kam alles anders als gedacht …

Ich renne gegen die Uhr. Sollte die Wolkenbasis absinken, müsste ich das ganze Gerutscht wieder zurücklaufen. Keine schöne Vorstellung.

Kurzzeitig wird es nochmal spannend. Ein entgegenkommender Nationalpark Ranger, hoch zu Ross, erklärt mir, dass ich hier eigentlich nichts verloren hätte. So kurz vorm Ziel aufgeben?

Alle Mühen sowie die von Brombeeren zerschlissenen Beine hatten sich gelohnt, ein Luxusstartplatz in der Einsamkeit …

Und es geht zurück in die Luft, die entgegen aller Vorhersagen tragen soll …

Der Tag entwickelt sich unvorhergesehen …

Etwa 80 km weiter ist dann das Tagesziel erreicht …

Roland holt mich am Landeplatz neben der Landstraße ab: die Unterkunft, wenige hundert Meter weiter, stellt ein georgisch klassisches Weingut dar. Kulinarische Köstlichkeiten sind uns gewiss.

Gleichzeitig ist es für unser gemeinsames Abenteuer ein würdiger Abschluss: Roland wird morgen die Heimreise antreten. Natürlich gehört gewisse Leidensfähigkeit zu diesem Sport dazu. Doch wenn Qual die Freude überwiegt, dürfte die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieses Unterfangens wohl geklärt sein.

Ab morgen geht es also wieder in die hohen Berge. Dann werde ich auf mich alleine gestellt sein.

Herzliche Grüße aus Tusheti. Wer spontan Lust, hat den zweiten Teil dieser Flugreise durch Swanetien und den kleinen Kaukasus mit mir gemeinsam zu verbringen, der möge sich melden😉

Gegen Ende der Woche werde ich mich hoffentlich in Tiflis einfinden – das Wetter sieht gar nicht so schlecht aus …

Details zum Flug:

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/12.8.2019/09:32

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Abschied von Aserbaidschan

Ich wollte an der Küste beginnen.

Ein Meer fußläufig zurücklassen, das andere fliegend erreichen. Ich wollte herausfinden, ob es möglich ist, von den niedrigen Erhebungen am Küstenstreifen des Kaspischen Meers in die hohen Berge zu fliegen. Das ist es.

Dabei hatten wir vier Nächte im Biwak, teils in Siedlungen, teils am Berg. Wir durften Land und Leute Aserbaidschans intensiver kennenlernen, was durchaus – mit großer Herzlichkeit verbunden – gelungen ist.

Vielleicht wäre es unter andern Bedingungen sinnvoller gewesen am Weg zu bleiben. Tatsächlich aber haben sich diverse Schwierigkeiten ergeben. Das Wetter, Zeitknappheit, die Gesundheit von Roland – wie auch immer … Letztlich sind wir nun auf der Kaukasus Südseite angelangt. Die Flugbedingungen hier waren wild …

Nach diesen grenzwertigen Versuchen haben wir uns zur Landung in Demirci entschlossen …

Es ist also beschlossene Sache: Alles was von hier bis zum georgischen Pshaveli vor uns liegt, haben wir fliegerisch bereits letztes Jahr erlebt. Um zu erfahren wie das aussehen kann, möge man einfach etwas im Blog zurück gehen. Wichtig ist uns der Nationalpark Tusheti. Ab Mittwoch ist wieder Flugwetter und wir wollen erneut in diese grandiose Bergwelt eintauchen.

Daher die Planänderung: Wir machen uns auf die abenteuerliche Reise mit Bus und Taxi, zugegeben, teilweise etwas befremdlich …

Die Andersartigkeit dieser Kultur zeigt sich an allen Ecken und Enden. Nicht nur die Tatsache, dass hier offenbar das Tragen kurzer Hosen verpönt scheint …

In Shamaxi steigen wir in den Linienbus, auch hier die Andersartigkeit …

Zweieinhalb Stunden im überfüllten Minibus, ohne Sitzplatz, bei Stehhöhe 1,70 m. Mit knapp zwei Metern Körpergröße eine Tortur.

Die Grenze nach Georgien zu queren, fühlt sich ein wenig nach Heimat an, auch hier treffen wir alte Bekannte: Larry heißt uns im Guesthouse „La Deka“ in Lagodechi willkommen. Dieser Ort ist besonders, die Kochkunst Marinas beflügelt all unsere Träume vergangener Tage …

Wir grüßen euch aus dem georgischen Kaukasus – gute Nacht!

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Am Babadag

Vom Luxus-Spa soll es in die Einsamkeit gehen … Wir wandern wenige Meter südseitig des Grates. Kaum wendet man den Blick vom Meer ab, fesselt einen diese faszinierende Mondlandschaft.

Dann ein Flugversuch – es sprengt uns im Lee der Südseite mit 5m/s Steigen gewaltig weg. Die 2000 hm haben wir im Handumdrehen geknackt, doch sofort macht sich strammer Nordostwind bemerkbar und nur zehn km weiter spült es uns vom Himmel.

Einladen am Grat, ein halber Tag Fußmarsch und ein abendlicher Abgeleiter in die tief schwärzlichen Täler am Kaukasushauptkamm.

Man ist uns noch für ein kurzes Stück behilflich …

Wenig später dann im Bergdorf Yerfi:

Ein Zeltplatz mit Familienanschluss.Der nächste Morgen soll uns in die höchsten Höhen des 3600 Meter hohen Babadag führen. Sicherlich ein Unterfangen, das ich mir deutlich einfacher vorgestellt hätte. Die düsteren Quertäler am Kaukasus-Hauptkamm haben ihre Tücken. Ein brutaler Spaziergang, begleitet von acht Stunden Dauerregen.

Der Weg durch die letzte Schlucht direkt am Hauptkamm dürfte für Canyoning-Freunde das Abenteuer schlecht hin sein. Uns hingegen weist der Talschluss in die Grenzen: Ein etwa 30 Meter hoher Granitblock, samt kaskadenartigem Wasserfall, setzt unserer Unternehmung ein jähes Ende: Abbruch!

Vier Stunden geht es Retour und völlig am Ende erreichen wir, bis auf die Knochen durchnässt erneut Yerfi.

Unser Familienanschluss heißt Nazim Alixanov, ein Journalist aus Baku. Beim Frühstück Tags darauf erklärt er uns die Politik im Kaukasus. Nicht dass es mich überrascht hätte, doch ich weiß abermals nicht, wovor ich mich mehr fürchten sollte: Abenteuer in Extrembedingungen oder Unfreiheit?

Ich denke es ist eindeutig: Ein Hoch auf die Demokratie, es lebe die Meinungsfreiheit! Nazim fährt uns in extremem Gelände an einen niedrigeren Übergang zur Hauptkammquerung, etwas weiter östlich.

Eine herzliche Verabschiedung folgt, einen neuen Freund lassen wir zurück.

Morgen gibt es wahrscheinlich Flugwetter und wir bringen uns am bereits bekannten Spot Zarat Heybari in Stellung.

Was ich mir für morgen wünschen würde, ist ein weiter, wirklich weiter Flug. Vielmehr noch, dass Roland seine gesundheitlichen Probleme in den Griff bekommt. Den weiteren Weg alleine zu gehen wäre machbar. Aber eben nicht das Selbe.

Grüße vom Biwak am Berg und gute Nacht.

Details zu den Flügen:

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/7.8.2019/08:33

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/7.8.2019/14:10

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Draußen!

Und der Plan ging auf. Die fast schon romantisch kitschige Übernachtung zu Fuße monolithischen Urgesteins war nur der Beginn etwas Wunderbaren: Der nächste Morgen empfängt uns mit dynamisch kräftigem Seewind. Ideale Vorraussetzungen also, sich fliegend weiter zu bewegen.

Diese 35 Luftkilometer sind der Moment des Aufatmens, denn tatsächlich gelingt es die Küste fliegend zurück lassen. Anschließende Landung in der Nähe eines fünf Sterne Spa-Hotels, Roland und ich nutzen jedoch die etwas bescheidener Variante am Ortsrand

Von hier weiter zu fliegen … es wird wohl äußerst trickreich.

Das monotone Rumoren der Ölbohrtürme wiegt uns sanft in den Schlaf …

Details zum Flug:

https://www.xcontest.org/world/de/fluge/details/:philippott/6.8.2019/08:56

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Vierzehnheiligen in Aserbaidschan

Irgendwie war’s klar: Reisen ohne Plan ist nicht mit Perspektivlosigkeit gleichzusetzen. Und trotzdem – die Gemüter waren in Baku noch völlig gedämpft. Roland kam übernächtigt vom Flughafen, ich hatte bereits nach einer Nacht in der Megametropole die Nase voll.Das Taxi fährt uns am Spätvormittag nordwärts, auch hier absolute Ödnis, begleitet von massiven Sturmböen. Baku, man nennt es auch „windy City“ – offenbar zu Recht. Als wir uns in Zarat in Strandnähe absetzen lassen, ist es eindeutig: Ölbohrungen, Pipelines und noch mehr Trostlosigkeit.Bleibt nur die Flucht zum Meer. Doch hier blasen uns circa 80km/h Wind ins Gesicht, dem wir uns entgegen stemmen. Zwei Stunden geht es in diesem Modus am Strand nordwärts.Wenig später, der Hügelkette im Westen vorgelagert, eine Siedlung. Die Hauptverkehrsader Richtung Russland passierend bieten sich uns nun Tankstellen, Cafés und Kebap dar. Ausgiebige Stärkung folgt.Wenig später geht es bereits steil bergan, 500 hm. Als wir den Grat erreichen, tut sich plotzlich der Horrizont auf. Die faszinierende Schönheit der östlichen Kaukasusausläufer heißt uns willkommen. Unerwartet, traumhaft!Das monolithische Felsgebilde, welches uns bereits vom Meer weg magisch in seinen Bann gezogen hat, stellt sich als interreligiöser Wallfahrtsort heraus. Statt fränkischem Barock in Vierzehnheiligen lediglich eine karge Moschee. Die Szenerie in ihrer Exponiertheit jedoch einzigartig.Ein perfektes Nachtlager. Ein gewaltig schöner Moment.

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