Mein Dank …

… ergeht zunächst an alle, die diesen Blog in den letzten Wochen so aufmerksam verfolgt haben. Eure Kommentare, SMS und Mails haben mir die moralische Unterstützung geliefert, wo ich sie am nötigsten hatte!

Gleichzeitig möchte ich mich bei denen entschuldigen, die sich vielleicht große Sorgen gemacht haben …

_R020952Darüber hinaus danke ich der Firma Skywalk und speziell Arne Wehrlin: Aufgrund der perfekten technischen Unterstützung und qualitativ hochwertigstem Material konnte diese Reise überhaupt erst halbwegs entspannt stattfinden. Die Zuverlässigkeit, Stabilität und extreme Leistung des Poison X-Alps, die ich bisher viele hundert Stunden genießen durfte, sowie das perfekt durchdachte Leichtgurtzeug „Range X-Alps 2“ – welches ich für den Biwakflugmodus, als auch für den normalen Streckenflugmodus als nahezu genial erachte – haben mich in allen Situationen ruhig und kontrolliert bleiben lassen.

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Perfekter Komfort und geringstes Gewicht, bei minimalstem Packmaß: Das Range X-Alps 2 bietet gerade für Biwakflüge enorme Vorteile. Allein der ungeheure Stauraum, der je nach Füllstand des aufblasbaren Protektors vergrößert und verkleinert werden kann, begeistert. Darüber hinaus lässt der Luftprotektor nicht nur eine perfekte „Sitzschale“ entstehen, sondern liefert auch noch Spitzenwerte in Aufpralltests.

https://skywalk.info/de/

Des Weiteren ergeht mein Dank an:

-die Firma ProteGear und Inhaber Markus Schlittenbauer: Das Garmin „Inreach“ hat mich in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren lassen. Der via Sattelit stets gewährleistete Kontakt zur Außenwelt ließ mich teilweise der Verzweiflung entkommen … https://www.protegear.de/

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Das Garmin Inreach in zwei Versionen: Benutzt man die Miniversion, ist man smart und leicht unterwegs. Zur Vereinfachung der Handhabung verwendet man die Handy-App „Earthmate“

 

-die Firma Sunnybag.at: Aufgrund der  Solarstromversorgung durch das „Leaf+“ konnten jegliche elektrische Gerätschaften auch außerhalb der Zivilisation funktionstüchtig erhalten werden … https://www.sunnybag.at/

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Das Sunnybag „Leave+“ – mit Solarstrom überall versorgt! Im Bild: Ist die Powerbank voll, können die Gerätschaften (hier das Vario) auch direkt geladen werden.

 

-den Thermikverlag und speziell Norbert Aprissnig: Die Veröffentlichung meines Blogs sowie die fototechnische Unterstützung waren sehr wertvoll … https://www.thermik.at/

Zuletzt, aber nicht vergessen:

Meine Freunde Roland, Robert und Werner. Erst durch sie wurde diese Tour derartig wertvoll. Was bringt schon das einzigartigste Erlebnis, wenn man es nicht teilen kann?

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Als Turis  in Tbilisi

Ich danke Euch von Herzen!!!

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Daheim

Es war unglaublich, hatte Seltenheitswert. Die Flüge in Swanetien haben allem bisher im Kaukasus Erlebten die Krone aufgesetzt. Als ich nach dem Dreiecksflug in Mestia lande, gibt es noch ein großes Wiedersehen: Lasha und seine Freunde haben den Weg hierher ebenfalls geschafft. Man trifft sich in einem der Dorfwirtshäuser, auch Werner und Robert stoßen dazu. Gemeinsam genießen wir die Lebensfreude sowie regionale Spezialitäten Georgiens …

Tags darauf gilt es nach Tiflis zurück zu fahren: Acht Stunden Autofahrt sollen vor uns liegen – mich verfolgen nachträglich die unglaublichen Eindrücke der vergangenen Tage …

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Vor den höchsten Bergen des Kaukasus

Für Lasha scheint es selbstverständlich, sich auf uns einzustellen, uns ins Auto zu packen und einen riesigen Freundschaftsdienst zu erweisen. Als wir ankommen gibt es noch ein Bier im Hostel, bevor wir zum gemeinsamen Abschiedsessen aufbrechen: Lasha (rechts hinten im Bild) zeigt sich selig. Für seine Streckenflugerlebnisse der vergangenen Tage scheinen wir der Stein des Anstoßes gewesen zu sein. Unsere Sportart ist in diesem Land derartig neu, dass eigentlich nichts selbstverständlich ist. In der georgischen Fliegergemeinde hat man offenbar keinerlei Vorstellung, was mit diesen Geräten mittlerweile möglich ist: Zu einem Streckenflug durch Swanetien aufzubrechen – die meisten haben das bisher wohl für unmöglich gehalten …

Ein letztes Mal die Spezialitäten der georgischen Küche genießen

Lasha spricht einen Toast nach dem anderen: Wein- und glückselig folgt der Abtausch gegenseitiger Komplimente, welche die Abschiedsfeier in Tiflis bis spät in die Nacht bestimmen …

Natürlich ist der nächste Morgen am Flughafen von gewisser Schwere geprägt, allerdings schwingt wohl auch in jedem die selbe Vorfreude mit: endlich heimkommen!

 

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Kaiserwetter beim Heimflug: Eindrucksvoll zeigt sich uns der Kaukasus nochmals in voller Schönheit und lässt die Flugroute der vergangenen Tage Revue passieren

 

Am Horizont eine einzelne Wolke? Nein, es ist der gigantische Elbrus, der alles überragt und in den Schatten stellt!

Als die Maschiene in Wien landet, kann ich spürbar aufatmen: Ich bin angekommen.

Wir sind alle heil, haben unglaubliches erlebt. Der Kaukasus, die schwierige Wettersituation, Mentalitätsunterschiede sowie verfahrene politische Situationen … die Kombination aus allem war eine extreme Herausforderung. Von Tag zu Tag galt es sich neu zu erfinden, Problemlösungen zu suchen und dabei trotzdem die Schönheit der Begegnungen wahrzunehmen, auf sich wirken zu lassen und wertzuschätzen.

Spätestens jetzt,  als ich mit Robert in Attnang (Oberösterreich) aus dem Zug steige, werden sie mir vollumfänglich bewusst: die Strapazen der letzten Wochen. Bleierne Müdigkeit legt sich über mich – als ich im Stamm-Kaffeehaus in Kirchdorf ankomme, senkt sich immer wieder ein silberner Schleier über die Augenlieder: Der Zustand ist beinahe trance-artig und ich ruhe in mir selbst …

… endlich daheim!

 

 

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Ende der Selbstdarstellung?

Es gibt Dinge, die beschäftigen. Wir sind am Ende unserer Reise angelangt, spürbar ist die Luft raus. Die vergangenen zwei Tage – ein ungeheures Geschenk: Nie zuvor hatte ich in den letzten vier Wochen derartig solide Wetterbedingungen. Eigentlich hätte man die Reise in Tiflis beenden können, völlig überraschend sollte sich jedoch die wetterbedingte Gelegenheit auftun, in den verbleibenden drei Tagen noch den landschaftlichen Höhepunkt Georgiens wahrzunehmen – Swanetien. Die Möglichkeit, bis an die finale Grenze Abchasiens zu fliegen … Erlebnisse, die wir aufgrund der Kürze, der uns verbleibenden Zeit, längst abgeschrieben hatten. Somit bin ich mehr oder weniger dort angelangt, wo ich sein wollte: zwischen zahllosen Gletschern und wilder Einsamkeit.

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Monströs: Fels und Eis wohin das Auge reicht – man fühlt sich winzig, unbedeutend!

Das Fliegen im Kaukasus verlangt einem alles ab – sich ständig verändernde Talwindsysteme, Hammer-Thermik und extreme Höhenwinde, begleitet von entsprechend heftigen Turbulenzen. Obendrein gilt es, massive Höhenmeter zu Fuß zu bewältigen.

Trotzdem kommt es zum Zwiegespräch: Zwischen den Zeilen oder auch wortwörtlich wirft man mir Selbstdarstellung vor. Selbstdarstellung?! Sicherlich nicht gänzlich von der Hand zu weisen …

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Immer wieder: extreme Karstlandschaften

Warum schreibt man überhaupt ein Reisetagebuch – wie kann es sein, dass es mittlerweile Menschen gibt, die ihren fürstlichen Lebensunterhalt damit bestreiten, Schminktips über ihren Youtube-Kanal zu verbreiten? In meinem Fall ist die Frage leicht beantwortet: Seit April letzten Jahres arbeite ich als Journalist, war ein Jahr lang hauptberuflich als Redakteur für das Thermikmagazin zuständig. Gleitschirmfliegen war von nun an nicht nur mehr Freizeit und Passion, sondern vor allem auch verpflichtender Beruf. Ich komme kaum umhin zuzugeben, dass darunter zwar nicht die Quantität meiner Fliegerei gelitten hat, unabänderlich aber die Qualität! Fliegt man gegen 300 h im Jahr, kann das bei weitem noch nichts über die Intensität der Flüge Aussagen …

Wie auch immer: Der Reise-Flug durch den Kaukasus war ein großer Traum, den ich mir erfüllen konnte. Ich habe nie die Intension gehabt, nur mehr über die Abenteuer anderer zu berichten – vielmehr wollte ich immer, und will nachwievor, meine Eigenen schreiben! Dass ich die Kaukasusreise in gewissem Maße vermarkten müsste … eigentlich hielt ich es im Vorfeld für selbstverständlich. Die Kamera war mein steter Begleiter und hat die Nerven meiner Mitstreiter wohl zusätzlich strapaziert. Sicherlich keine einfache Situation.

Zudem war es aber auch für mich ein Spagat: Es galt all die Eindrücke zu genießen, gleichzeitig aber auch detailliert festzuhalten. Zwänge, denen man ausgesetzt ist, will man Journalist sein … ein Selbstdarstellungszwang? in meinem Fall keineswegs!

Ich habe mich über jeden Kommentar, jede Zuschrift, jede positive Rückmeldung gefreut. Offenbar hat meine bisherige Berichterstattung viele begeistert, meine Texte scheinen sogar bisweilen zu berühren. Das alleine ist fast schon Grund genug die Arbeit zu leisten, die oft mühsam ist – hat man lange, strapaziöse Tage hinter sich.

Dererlei Dinge und viele weitere Gedanken sind es, die mir auf dem Weg zum Startplatz oberhalb Mestias durch den Kopf gehen. Für Robert ist die Reise hier abgeschlossen, Werner ist sich über den den heutigen Tagesverlauf ebenfalls unsicher, für einen finalen Flug über die knapp 4000 m hohe Bergkette südlich Mestias nicht wirklich zu motivieren. Meine Jungs wollen keine Strapazen mehr, der finale Abgleiter ins Flachland ist ihnen nicht mehr wichtig.

Was ich will? Einfach nur noch fliegen! Ohne Gedanken an Berichterstattung, ohne ständige Konzentration auf die Luftbewegungen der anderen. Zusammen fliegen kostet ebenfalls Energie … dieser letzte Flug soll ausschließlich für mich statt finden. Ich starte daher, sobald es die Thermik zulässt – Werner und Robert hingegen scheinen keinen Stress mehr zu haben …

Stress … ich habe nun auch keinen mehr. Vielmehr ein unbändiges Verlangen, mich empor zu schwingen, zu fliegen. Ab der ersten Sekunde fühlt es sich anders an, denn ich folge nun einzig MEINER Intuition, suche ausschließlich meine Linie. Zwar habe ich vor dem Start jede Menge Geier ausmachen können, wirklich abzureißen scheint die Ostflanke jedoch nicht zu wollen. Immer tiefer bastel ich mich in das Tal, östlich des überwältigenden Ushba – drohend steht er da, in der Vormittags-Sonne.

Die im Talverlauf südlich ausgerichteten Rippen lassen meinen Plan aufgehen: Ein anfänglicher Nullschieber hebt mich gegen 3000-, der Anschluss-Bart im Süd-Kessel Richtung Mestia schließlich nahe der 4000 m empor – die gewaltigen Zacken und Gletscherbrüche des „Todbringers“ wirken zum Greifen nahe und ich gehe auf Tuchfühlung.

Nach ausgiebigem Staunen geht es weiter gen Westen: Ich möchte noch so viel als möglich dieser einzigartigen Landschaft inhalieren, bevor politische Zerwürfnisse wieder einen Riegel vorschieben – die abchasische Grenze ist ein striktes Tabu!

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Kurz vor der Talquerung: jetzt noch den geeigneten Bart finden – möglichst weit Richtung Talmitte

Längst habe ich mir einen Plan zurecht gelegt: Es gilt einen Talsprung zu meistern und die sich anschließende Steinwüßte zu queren. Ca. 20 km weiter östlich kurbel ich an Höhe was geht, es ist ca.13.30 Uhr und der Beschluss zur Talquerung nach Süden steht fest – mindestens 10 km gilt es zu bewältigen. Der niedrigste Punkt der zu überfliegenden, südwest ausgerichteten Kette liegt bei ca. 2400 m, als ich am Ende der Querung auf Gegenwind stoße …

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Richtung Süden: großflächige Abschattungen aufgrund von Überentwicklungen. Die Meeresluft feuchtet an

Ich gehe mit dem Poison Rolle auf Rolle. Im Vollgasmodus pflügt die Sichel in den turbulenten Gegenwind und zeigt mir erneut, wozu dieser leistungsstarke Flügel konzipiert ist … Mit satter Höhe kommen wir über Grat an und steigen in das zerissene Aufwindband ein.

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Ein Blick zurück zeigt es deutlich: Das ausufernde Tal von Mestia bietet grenzenlose Streckenflugmöglichkeiten, in atemberaubender Kulisse!

 

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Die Nordseite zeigt sich kalt, düster, rauh und bockig!

Das letzte Hinderniss, die massive, knapp 4000 m hohe Kette Richtung Süden ist erreicht. Zwar ist es hier aufgrund der feuchten Meeresluft absolut überentwickelt, dennoch kann ich mich mit zarten Aufwinden gegen diesen enormen Riegel fortbewegen. Immer wieder Einbuchtungen im Fels, sogar Toplandemöglichkeiten zwischen den Gletschern … Das Fliegen auf dieser Nordseite ist düster, rauh und bitter kalt.

Und dann blitzt es ab und an durch – das Flachland. Ich überlege, zweifle, versuche eine Entscheidung zu treffen. Natürlich währe es verlockend und wohl auch legitim, die Reise für mich mit diesem finalen Abgleiter ins Flachland zu beschließen. Fliegen, bis es keine Berge mehr gibt … Nach einer Stunde des Abtastens und Möglichkeiten-Sondierens schlage ich einen Haken, drehe ab, ziehe Wind unterstützt und im Vollgas einen weiten Strich nach Nordosten, bis an den Fuß des gewaltigen Tetnuldi. Ich wechsle auf einen Dreiecks-Kurs.

Zünftig reißen mich die perfekten Westflanken empor, zurück auf knapp 4000 m und es fühlt sich an, als flöge man in der Abendsonne entlang des Heiligkreuzkofels, nur in völlig anderer Dimension!

Jeder weitere Kreis ist überflüssig, dennoch Streife ich entlang der Grate und Felsabbrüche, inspiziere genauestens das Basislager einer Expedition am Gletscherfuß und lasse mich von den überwältigenden Eindrücken erschlagen.

Entschieden habe ich mich heute einzig für das Erlebnis und … die Rückkehr sowie den gemeinsamen Abschluss mit meinen Freunden.

Am Ausgangspunkt zurück, werde ich gegen 17.30 Uhr an den wunderschönen Seen erneut toplanded. Die tiefstehende Abendsonne, einsame Ruhe, ein Stück Brot und Käse – ein anschließend ausgedehnter Abgleiter: mein ganz persönlicher Abschied vom lang gehegten Traum, vom nun erfüllten und bewältigten Abenteuer.

Siehe Flug unter:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1043608

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Wild in Swanetien

Als ich mitten in der Nacht aufwache, ist es eisig kalt! Frost an der Zeltwand, sternklar – die Luft absolut ruhig, der Nordföhn komplett zusammengebrochen. Eine Vorahnung macht mich unruhig: Bei diesen Vorzeichen sollte ein richtig guter Flugtag auf dem Programm stehen …

11.30 Uhr: Die Ostflanke am Pass ist sicher nicht perfekt, doch überall kumuliert es bereits, der überregionale Ostwind ist deutlich spürbar – irgendwie soll es uns schon wegsaugen.

Ich folge Werner dicht auf den Fersen, gemeinsam soaren wir den Grat auf und ab in der Hoffnung, irgendwie die verblasen Ablösungen einfangen zu können. Zwar überhöhen wir den südlich vorgelagerten 3000er, doch es zieht einfach nicht richtig durch. Während die Sonne immer mehr auf Süd wandert, wird diese zähe Angelegenheit zum Geduldsspiel. Auch Robert bastelt. Ich probiere es ein Stück östlich, doch die Rippe trägt nicht. Schon sehe ich mich tief im Hang einlanden, als mich der Mut der Verzweiflung packt: Mit gerade mal 50 m Überhöhung pfeife ich über den Pass nach Westen. Klar, dass mich, unter Einfluss des kräftigen Ostwinds, das anschließende Lee gehörig beuteln würde und ich dabei richtig tief komme, allerdings zeigt der Riesenkumulus über der folgenden Südostflanke deutlich, dass die Luft hier – abgeblockt vom überregionalen Windeinfluss – thermisch bereits gewaltig aktiv sein muss. Es kommt, wie es kommen muss: Extrem tief bohre ich, knapp über der Baumgrenze, in eine der zarten Rippen, drei Soaringausschläge … es reißt an und schießt mich letztlich mit integrierten 5 m/s in den Orbit.

Auf Basishöhe ist der Ostwind deutlich spürbar, ich wechsle zur nächsten Rippe und parke an der Wolke, stets Ausschau nach Robert und Werner haltend.

Wenig später kurbeln wir gemeinsam an der Basis und der Rest des Tages soll sich als Geschenk erweisen: Wir peilen Mestia als Ziel an und werden uns in den folgenden Stunden entlang der höchsten Berge des Kaukasus schieben lassen. Eine gewaltige Gletscherlandschaft, abgrundtief kohlschwarze Schründe, die wie aufgebrochene Narben in den Fels gerissen sind … dem allem ist erneut der Worte kaum genug – wieder an der Zeit, Bilder sprechen zu lassen:

Entlang der Westflanke des Tetnuldi: Die Wolken am beinahe 5000er saugen gewaltig!

Vorm Ushba: der „Menschefresser“

Der Flugtag klingt mit der krönenden Toplandung an den Seeen oberhalb Mestias aus: Werner und ich gönnen uns das mühsam transportierte, nun perfekt temperierte Landebier und gleiten wenig später ins Tal – Zeit fürs Duschen sowie eine warme Mahlzeit …

Siehe Flug unter:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1043424

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Swanetien

Worin genau liegt die Erfüllung des Traums, wo das Ende meiner Reise?

Ich wollte den Kaukasus durchqueren, gemeinsam mit meinen Freunden. An der georgischen Heerstraße angekommen ist allerdings erstmal Schluss. Die nächsten 60 km westlich dieser gewaltigen Berge sind Sperrgebiet: Südossetien. Die Entscheidung mit Lascha nach Tiflis zu fahren war also nicht nur wetterabhängig, vielmehr eine politische …

Am Samstag ist die Stimmung etwas gedämpft. Einerseits natürlich auf Grund nächtlicher Aktivitäten, andererseits ist beim ein oder anderen unserer kleinen Reisegruppe die Luft spürbar raus – verständlich.

Landschaften: auf dem Weg nach Swanetien

Was mich betrifft: Seit den ersten Schritten in Baku hat sich die Vorstellung manifestiert, durchzuziehen … will heißen, dass man das Ganze auf der Westseite Südossetiens fortsetzt, um auch in den Genuss der vielzitierten, einzigartigen Landschaft Swanetiens zu kommen.

Ein halbschariger Wetterbericht sowie fehlende Geländekenntniss sollten es mir obendrein schwer machen, meine Mitstreiter für weitere Strapazen zu motivieren … Niemand würde sagen können, ob das ganze überhaupt zu irgendetwas führt.

Letztlich gab es Zeichen und einen Lasha, der sich von der Idee begeistert zeigt, mit uns gemeinsam nach Niederswanetien zu fahren – auch Werner ist mittlerweile in Stimmung …

Sonntag, sechs Uhr morgens: Lasha holt uns mit seinem monströsen Allrad am Hostel ab. Mit an Bord noch zwei weitere Freunde Lashas – gemeinsam sind wir darauf gespannt Neues zu entdecken. In das Tal hinter Oni, an der Südossetischen Grenze, hat sich höchstwahrscheinlich noch niemand der einheimischen Piloten verirrt …

AlpineQuest gibt den Weg vor und wir finden tatsächlich eine Piste, die der wilde Georgier bis zum Startplatz prügelt – noch nie haben mich fliegerische Turbulenzen derartig gebeutelt, wie es diese Fahrt vermocht hat!

Zwar sind wir spät dran – es ist bereits fast 15 Uhr als wir starten, denn Lasha musste noch mittagessen – doch das Gelände sowie die Thermik erweisen sich als Volltreffer: mit 4-6 m/s integriertem Steigen schießt es mich vom Start weg auf knapp 4000 m.

Das einzige Programm dieses Tages: Sightseeing. Die Gletscher entlang der russischen Grenze ziehen magisch an, wir bügeln entlang der höchsten Ketten bis an die Südossetische Grenze und setzen dort den Wendepunkt, wo man uns wohl schon deutlich im Visier haben muss: ein auffälliger Wachposten, mitten im Hochgebirge …

Die überwältigende Gletscherlandschaft Swanetiens beginnt!

Schnurstracks soll es nun gen Westen weitergehen …

Bereits hier zeichnet sich im Norden ein Wetterphänomen ab: die Föhnmauer.

Die nächste halbe Stunde wird unlustig: Der Nordwind nimmt extrem zu, Werner und Robert haben nach massivem Höhenverlust zu tun, sich irgendwie wieder empor zu kämpfen – doch es soll gelingen. Am Pass Richtung Westen blockert der Nord immer heftiger, wir machen ein perfektes Platteau zum Biwak aus und landen ein – höchste Zeit!

Keine Stunde später windet es heftig: der Föhn bahnt sich seinen Weg! Wir gönnen uns noch eine kleine Mahlzeit und verziehen uns ins Zelt – es ist bitter kalt. Wie kalt tatsächlich soll der nächste Morgen zeigen: Die Zeltwände sind angefroren!

Siehe Flug unter:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1043423

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Konvergenz!

Der Flug von Omalo nach Shatili – ein Traum der in Erfüllung gehen sollte, trotz heftigster Bedingungen. Die extremen Windverhältnisse dieses Tages ließen leider keine größere Distanz zustande kommen, der Südwest hat uns eher Richtung Nordwesten an die russische Grenze abgedrängt, und somit alle Vorhaben, auf direkter Linie Richtung Westen und Stepanzminda zu fliegen, vereitelt.

Auch für heute ist deutlicher Südwest angekündigt, es direkt von Shatili Richtung Kasbek zu versuchen wäre nahezu aussichtslos. Kurzerhand ist ein Fahrer organisiert und wir legen die nächsten 16 km, bis zum Pass Richtung Roshka, allrad-getrieben zurück. Der von hier abzweigende Grat Richtung Norden soll uns direkt auf eine ost-west-verlaufende Kette führen und verspricht somit einen perfekten Ausgangspunkt, um den Flug Richtung Stepanzminda trotz Gegenwind zurücklegen zu können …

Ankunft am Pass

Aufstieg entlang des Grats: ein genussvoller Spaziergang

Startvorbereitungen: Kräftiger Südwest verspricht konstantes Soaring

Das Stahlbau macht es deutlich: Jegliche Thermik ist verblasen!

Nach der Ankunft am Startplatz herrscht Unsicherheit: um uns herum der Himmel Blitz blank, zwei Ketten nördlich das Cumulus-Gewölk. Haben wir eine Chance Richtung georgischer Heerstraße? Selbst wenn wir hier wegkommen sollten: Nach Roshka würde nochmals ein massiver Pass (3000 m) Richtung Westen auf uns warten …

Ich verliere die Geduld und starte in der Überzeugung, dass die einzige Möglichkeit weiterzukommen darin bestünde, zur nächstgelegenen Südflanke zu soaren, ein paar Meter Höhe zu machen, um anschließend direkt zur Talquerung an die nördlichere, höher gelegene Kette zu queren. Gesagt, getan. Robert und Werner folgen wenig später, gemeinsam parken wir im dynamischen Aufwind über der Südflanke und warten auf Ablösungen. Diese sollen jedoch ausbleiben … Knapp 100 m über Grat drehe ich irgendwann direkt nach Norden ab, setze zur Talquerung an und …

… finde tatsächlich eine Linie die trägt, ohne allzusehr durchs Lee gebeutelt zu werden.

Mit ausreichender Höhe erreiche ich die Kette, doch auch hier scheint die Thermik auszusetzen: Es steht spitz auf Knopf. Kommt man nochmals tiefer würde man in immer stabilere Luftschichten eintauchen – ich kämpfe um jeden Meter! Ein zähes Thermik-Soaring-Gemisch lässt die Höhe halten, aus dem anfänglichen Nullschieber entwickelt sich ein sanfter Bart.

Robert und Werner gelingt es ebenso, wir rotten uns erneut zusammen und sollen von nun an in perfekter Linie Gen Westen ziehen. Meter um Meter nähern wir uns dem Pass, die Basis nur knapp über Grat. Viel Spielraum würde nicht vorhanden sein, jedoch schiebt der Talwind tüchtig an. Noch dreieinhalb Kreise und … Touchdown!

Es gelingt uns über den massiven Block zu wischen und plötzlich: heftige Turbulenzen – der Talwind blockert uns aus Stepanzminda entgegen. Robert quert auf die südliche Talseite und es soll unser Rettungsanker sein. An einer Nordflanke steigen wir wenige Meter über Talgrung in den dynamischen Aufwind ein, es gelingt einige hundert Meter zu machen und dann geschieht Gespenstisches: Über Talmitte geraten wir in konstanten, großflächigen Aufwind und es scheint, als könne dieser nie mehr versiegen … Konvergenz!!!

Die Wolkenmauer zeigt es deutlich: Zwei extreme Windsysteme prallen aufeinander!

Wie im Traum schiebt es uns im kräftigen Bart an der weißen Wand empor, bis wir weit jenseits der 4000 m angelangt sind …

Talausgang Stepanzminda

Den Bart verlassend ist er wieder spürbar vorhanden: kräftiger Südwest. Vollgas!

Durch heftige Lees lasse ich mich in das Haupttal Richtung Stepanzminda prügeln, habe Robert und Werner längstens verloren – der eine vor, der andere hinter mir. Mit knapp 7 m Sinken schüttelt es mich ums Eck, und ich tauche irgendwann ein in den kräftigen Talwind, immer der ausgeprägten Westflanke des Haupttals folgend. Die nächsten Kilometer hangel ich mich soarend vorwärts und erreiche irgendwann die breiteste Stelle im Tal. Zeit zur Landung – es soll sportlich werden.

Blick Richtung Stepanzminda,dort wo vor zweieinhalb Wochen alles begann

Deutlich vorhaltend plane ich den Landeanflug bereits rückwärts, die monströse Hochspannungsleitung stets im Auge behalten. Der Tacho geht gegen 0 km/h und dann …

Blick zurück: Abschied aus den georgischen „Dolomiten“

… ein sanftes Antippen am Boden, gefolgt vom blitzschnellem Abreißen des Schirms: Mit beiden Füßen stehe ich fest am Boden, das Ziel ist erreicht!

Tramp mit Werner nach Stepanzminda

Wenige Minuten später taucht Werner aus dem Nichts auf und wir wandern gemeinsam entlang der Straße gen Stepanzminda …

Es folgt ein freudiges Wiedersehen mit Robert – alle drei wähnen wir uns in dem Glauben, hiermit den zentralen, wichtigsten Teil unserer Reise hinter uns gelassen zu haben.

Wenig später kommt Freund Lasha aus Gudauri angefahren, uns aufzulesen. Gemeinsam fahren wir, ob der erneut miserablen Wetterprognose, nach Tiflis. Ein rauschendes Fest soll das bisher Vergangene würdigen …

Siehe Flug unter:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1039834

p.S.: Die Wetterprognose hat sich geändert und wir werden uns auf die Westseite Südossetien bewegen. Man darf also gespannt sein, was uns die nächsten drei Tage noch bringen werden …

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Wind!

Eine herrliche Nacht auf 3000 m, Biwakzauber! Feuer, Sterne, Einsamkeit – Zeit zu sich zu finden oder bei sich zu sein … wir haben den Modus gestreift der mir eigentlich im Sinn ist.

Der nächste Morgen empfängt uns vielversprechend …

Robert und ich machen uns auf zum Morgenspaziergang: Der gleichbleibenden Höhenlinie folgend, gehen wir einige Kilometer ostwärts, um im nächstgelegenen Bach die Wasservorräte aufzufüllen. Zurück am Lager gilt es keine Zeit zu verlieren, denn die Ostflanken cumulieren bereits kräftig, zahlreiche Adler und Geier machen klar, dass der Thermikofen bereits eingeheizt ist. Wenig später geht es dann dahin … Ein satter Startbart saugt uns direkt auf 3500.

Schon jetzt ist klar, dass heute deutlich Wind im Spiel ist – unterstützend aus Südost. An der Basis angekommen reiten wir den Grat, immer hart entlang der Grenzlinie zu Russland. Was anfangs noch unterstützend gewesen sein soll, wird zusehends sportlicher: der Höhenwind macht sich zusehends aus Südwest bemerkbar, gerade wenn man tief kommt, biegt es uns die Kisten ordentlich her. Als es gegen den Talschluss mit seinem markanten, 4492 m hohen Tebulosmta geht, steigt auch die Basis an. Deutlich sprengt es uns jetzt auf über 4000, plötzlich stehen 25-30 km/h Wind auf die Nase.

Unentschlossen stehen wir im Wind, guter Rat ist teuer. Den zu bewältigenden 3500 m hohen Pass fliegerisch zu nehmen – unmöglich. Letztlich ergreift Robert die Initiative, bohrt vollgas ins „laminare“ Lee und wir bomben am Talschluss auf ca.3100 m ein.

Kurze Verschnaufpause, ein Schluck Wasser – schon starten wir erneut, um in einem flotten Spurt die ausstehenden 400 hm auf den Grat zurückzulegen.

Blick zurück nach Osten

Westwärts, das was vor uns liegt

Oben angekommen zeigt sich das Gelände als relativ unstartbar – will man seinen Schirm nicht ruinieren …

Es gilt nun noch lediglich ein paar Meter abzusteigen, wir erreichen ein kleines Plateau und sind erneut „bodenlos“. Zwar schiebt der Südwest immer noch deutlich auf die erklommene Westflanke, allerdings sind – trotz der perfekten Uhrzeit (16.00) – jegliche Thermikansätze verblassen.

Kurzer Abstieg

Start-Platteau

Irgendwie gelingt es trotzdem. Wir mogeln uns durch trickreiche Bedingungen und können uns schließlich, mit Flotten 60 Sachen, das Tal nach Nordwesten rausschieben lassen. Am „Bermudadreieck, direkt vor der Russischen Grenze, wo unser Seitenarm ins Haupttal mündet, steht die Konvergenz. Es geht nochmals auf knapp 3000 und wir schneiden über den Grat ins Haupttal – uns zu Füßen die Mittelaltersiedlung Shatili: erneut eine turbulent trickreiche Landung im Talwind, inmitten des historischen Zentrums.

Die georgische „Borderpolice“ ist es , die mich wenige Minuten später nach dem Ausweis kontrolliert – man möchte auf Nummer Sicher gehen, was oder wen man sich da eingefangen hat. Die Besitzerin des ortsansässigen Guesthouse übersetzt, beruhigt uns und wenig später sind wir auch noch in den Historischen Gemäuern der Burganlage einquartiert.

Unterkunft in historischen Gemäuern

Ein reichhaltiges Abendessen, samt Rotwein und Chacha, lassen uns die überwältigenden Erlebnisse verarbeiten und selig ins Reich der Träume entschlummern …

Flüge:

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1039793

https://www.dhv-xc.de/leonardo/index.php?op=show_flight&flightID=1039807

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Biwak 3000

Der Morgen in Omalo empfängt uns regnerisch und wir verweilen noch geraume Zeit. Ein Spaziergang in den oberen Ortsteil, nahe der Burgruine, vertreibt die Zeit und ein Kaffee in der ortsansässigen Bäckerei stärkt das Gemüt.

Man spricht Deutsch: Ia hat sich, nach dem Germanistikstudium in Tiflis, diese Backstube eingerichtet und möchte damit die Struktur in der Region stärken. Nach diesem überaus netten Kaffee-Plausch machen wir uns auf, den nördlich von Omalo gelegenen Grat zu besteigen.

Auf 2600 m angekommen blockert der Talwind aus Süd-Ost und wir starten. Was genau der Plan sein wird ist unklar, denn die Vorstellungen gehen auseinander. Quert man direkt an den nördlichen Hauptkamm mit seinen 4000ern und somit auch an die russische Grenze, oder bleiben wir auf der südlich gelegenen Kette? Zunächst: Toplandung und Lagebesprechung.

Die Querung nach Norden ist dann doch beschlossene Sache, wir starten durch, pfeifen durch ein sattes Lee und erreichen schließlich die andere Talseite, den Hauptkamm, der mit „den richtig hohen Bergen“ lockt.

Oberhalb eines Plateaus gelingt es uns nochmals aufzusoaren, wir landen auf ca. 2900m ein und genießen das Sein.

Freudig begrüßt uns Schäfer Aram, er kann es kaum fassen, fühlt das Gleitschirmtuch und zeigt sich fasziniert.

An Ort und Stelle schlagen wir unser Biwak auf, Robert zaubert aus dem Nirgendwo ein paar Holzscheite, wir jausen und hängen im Schein des Lagerfeuers den Gedanken nach: eine perfekte Ausgangsbasis, hohe Südostflanken sowie gute Wetterprognose. Wird es morgen DER Tag?

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Ratlos

Wir schreiben Dienstag, den 14.08.2017:

Gestern gingen sich, trotz schwierigster Umstände, gute 70 km aus und wir konnten Pshaveli erreichen, der Ort an dem sich das Tal gen Norden und Abanopass zieht, welcher mit knapp 3000 hm herausfordert. Dahinter im Norden, jenseits des Tracker-Orts Omalo, würden die 4000er auf uns warten …

Pshaveli soll für uns zum Ort der Entscheidung werden. Nach einer Zeltnacht im Garten des ortsansässigen Jeep-Tours-Unternehmen, herrscht auch am nächsten Morgen noch absolute Konfusion. Der Tag heute lässt wahrscheinlich weniger als gestern erwarten – bei diesen Bedingungen in die hohen Berge reinzufliegen wäre unsinnig -, der Mittwoch nochmals weniger, sogar etwas regnerisch. Donnerstag und Freitag hingegen scheinen verheißungsvoll …

Was bleibt zu tun?

Die Kette der Bergausläufer, auf der wir die letzen 150 km unterwegs gewesen sind, verliert sich spätestens hier, gen Westen gesehen, im Nirvana: Flache Hügel und undurchdringlicher Wald. Als uns morgens um sechs der Fahrer des Allrad-Shuttles aufnehmen will, sind wir uns absolut uneinig, checken alle Wetterberichte. Robert und ich sind drauf und dran, die absolute Planänderung einzuläuten: 50 km südlich erstreckt sich eine weitere Kette, die in direkter Linie nach Tiflis führt.

Das würde bedeuten, die komplette Geschichte nordöstlich von Tiflis, einschließlich der Gegend um den Kasbek (5033m), bleiben zu lassen. Ich werfe noch kurz ein, dann doch gleich weiter nach Svanetien, in den Westen Georgiens zu reisen. Werners Kommentar: „OK, jetzt wird’s konfus!“ Eine eindeutige Entscheidung zu treffen – sie ist uns auf Grund der Wetterlage sowie der Geländestruktur enorm schwer gemacht.

Pickup-Ladeflächen: Mittlerweile ein probates Vortbewegungsmittel

Wir entscheiden uns für das Naheliegenste, lassen uns ein paar Meter das Tal reinfahren und versuchen die nächste Kette zu erklimmen. Schon nach wenigen Metern ist klar: Dieser Weg führt nach Nirgendwo, sich verzweigende Bäche und Dschungel!

Wir kehren um, laufen zurück zur Straße. Dann doch die Entscheidung: Trampen bis zum Abanopass. Leichter gesagt als getan, der Verkehr ist spärlich, die grobe Piste zumeist nur von Turi-Jeep-Unternehmen befahren. Mahad ist es zu verdanken, dass wir dann doch ein paar Kilometer weiter kommen. Auf der Ladefläche des Pickups fahren wir mit ihm und seinen Arbeitern zur Baustelle, tief im Tal.

Frühstück am Bau!

Man versorgt uns herzlich mit Butterbroten und Instantkaffee, lässt uns am gemeinschaftlichen Frühstück teilhaben und nötigt uns zum scheinbar obligatorischen Chacha. Wer das Schnapsritual auslässt, wird in diesem Land Schwierigkeiten haben: Gemeinschaftliches trinken öffnet Tür und Tor!

Wenig später ist es dann ausgemacht: Einer der Bauarbeiter fährt und auf den Abanopass: Eine spektakuläre Piste lässt uns beinahe 1800 hm überwinden, stets am Rande des Abgrunds. Auf nahezu 2500 m schneiden wir durch die Wolken und lassen uns überwältigen, von der grandiosen Morgenstimmung …

Abanopass Richtung süden

Am Abanopass muss es schnell gehen – von Süden türmt sich bereits die Weiße Wand. Wir erklimmen noch 150 hm zu Fuß, starten sobald die Sicht frei ist und queren schleunigst das Tal Richtung Nord-Westen, auf die Kette Richtung Omalo.

Direkt nach der Querung heißt es einladen, Robert wartet bereits. Erneuter Start, mühsames Soaring – Werner und Robert erwische es besser und queren hoch zur nächsten Querrippe gen Norden. Ich lande ein, bin ratlos und fliege schließlich tief, ebenfalls zur nächsten Rippe …

Werner und Robert soll ich erst am Abend Wiedersehen. Den Kompletten Nachmittag verbringe ich mit weiteren Hanglandungen, kombiniert mit kraftraubenden Anstiegen, entlang steil aufregender Grate. Es gilt hoch zu bleiben, das langgezogene Tal Richtung Omalo – zum einlanden läd es nicht wirklich ein …

Start auf 3000 m

Einlanden, laufen!

Von knapp 3000 m setze ich zum vermeintlich finalen Abgleiter an, acht Kilometer liegen vor mir, samt Talquerung auf die zu erreichende Hochebene des Tracking-Orts auf 1700 m … es langt nicht ich stehe im Talwind und lande schließlich westseitig an einer Alm ein. Erneut eine halbe Stunde Fußmarsch auf gleichbleibender Höhe und das erreichen der nächsten Siedlung. An der Waldgrenze oberhalb wähne ich einen geeigneten Start, um über das Tal nach Omalo abgleiten zu können, das gesamte Dorf befindet sich in Aufruhr und den mir angebotenen Kaffee – ich darf ihn keinesfalls ausschlagen.

Letzter Start: Querung nach Omalo

Herzliche Verabschiedung folgt, man geleitet mich zum Start und es kommt wie es kommen muss: Zunächst turbulenter Start in biestigem Talwind, aufmetern in sonderbaren Luftmassen und eine Talquerung gegen 25 km/h Wind. Es blockert voll aus Ost, Omalo kann ich dank ausreichender Höhe gerade so ereichen.

Hochebene von Omalo

Was es noch zu sagen gibt?

Wir finden uns wenig später wieder, genießen ein vorzügliches Abendessen und kommen zu später Stunde noch in den Genuss eines hervorragenden Livekonzerts, welches an Radiohead erinnern will.

So sieht also das Ende der Welt aus.

Flüge hier:

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